FGSV-Nr. FGSV 001/7
Ort Hamburg
Datum 11.10.1978
Titel Begrüßung durch den Vorsitzenden der Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen
Autoren Hans Josef Kayser
Kategorien Kongress
Einleitung

Verehrte Damen, meine Herren,

zu Beginn der Hauptvortragsveranstaltung des Deutschen Straßenkongresses 1978 in Hamburg begrüße ich Sie als Gäste, Freunde und Mitglieder der Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen.

Den Gästen aus dem Ausland und den Gästen aus dem Inland danken wir, daß sie zu unserer Tagung gekommen sind. Ihr Interesse an dem Inhalt und dem Ergebnis unserer Arbeit ist uns Ansporn, diese fortzuführen. – Und ständigen Ansporn braucht die Forschungsgesellschaft, zumal in einer Zeit, in der die selbstverständlich genutzten Vorteile des Individualverkehrs und der Straße öffentlich anscheinend vergessen sind.

Ansporn braucht auch jedes einzelne Mitglied unserer Forschungsgesellschaft für seine freiwillige Mitarbeit, die zudem noch meist die Freizeit füllt.

Mit ihrer Arbeit will die Forschungsgesellschaft Erkenntnisse aus naturwissenschaftlichen Forschungen in Konstruktion umsetzen. Sie will Erkenntnisse aus Beobachtungen des Verhaltens der Verkehrsteilnehmer nutzen, um Verkehrsraum zu gestalten. Haben wir als Ingenieure hier bei etwas falsch gemacht oder sind wir den falschen Weg gegangen? – so wird auch Kritik zum Ansporn.

In diesem Sinne begrüße ich stellvertretend für alle Medien die hier anwesenden Vertreter von Presse und Funk.

Letztlich ist das Konstruieren einer Straße und das Gestalten des Straßenraums die Erfüllung einer gesellschaftspolitischen Aufgabe. Spezieller betrachtet ist beides ein Teil einer größeren Verkehrspolitik. Den in unserem Lande für diesen Bereich zuständigen Minister begrüße ich in Ihrer aller Namen mit besonderer Freude. Dabei möchten wir Ihnen, Herrn Bundesminister Gscheidle, unsere Hochachtung ausdrücken, denn die Verkehrspolitik durch die Stürme und Hindernisse unserer Zeit hindurchzusteuern, ist gewiß nicht einfach.

Wir nehmen an, daß die Probleme, mit denen wir uns beschäftigen, zur Zeit nicht diejenigen sind, die Sie am meisten drängen. Wir meinen jedoch, daß in der Bundesrepublik Deutschland auch der individuelle Verkehr eine Zukunft hat und daher der politischen Fürsorge bedarf. Wir suchen diese Zukunft nicht mit Vorrang vor anderen Verkehrszweigen, sondern sind vielmehr an einer realitätsbezogenen Betrachtung interessiert, zu der wir als Forschungsgesellschaft auch beitragen werden. Denn wir sind ja nicht nur eine Vereinigung der Straßenbauer, denen man landauf – landab nachsagt, daß sie ohne Rücksicht auf den Gesamtsinn einfach nur bauen wollen. Neben diesem Bereich, der seine reale Chance sucht, auch wenn sie kleiner sein sollte als in der Vergangenheit, werden in unserer Forschungsgesellschaft Fragen der allgemeinen Verkehrspolitik, aber auch das heute wichtige Thema Umwelt behandelt und ich meine, auch gefördert.

Mancher Ihrer Mitarbeiter, Herr Minister, und Berater Ihres Hauses kommt aus unserer Forschungsgesellschaft, die in der Vergangenheit zur Einbindung der Verkehrspolitik in die Gesellschaftspolitik beigetragen hat. Wir hoffen, auch in Zukunft zur Lösung von Problemen dieses und des allgemeinen Bereiches beitragen zu können.

Der Kreis derer, die sich mit Problemen und Lösungen des Straßenbaus und Straßenverkehrs beschäftigen, ist in der Zwischenzeit so groß geworden, daß die Tagungen der Forschungsgesellschaft auf entsprechende Räumlichkeiten angewiesen sind. Trotz der auch bei uns sorgfältig zu beachtenden landschaftlichen Streuung der Tagungsorte sind wir zum wiederholten Male in Hamburg. Zum ersten Male in diesem Kongreßzentrum, das wir für unsere Veranstaltung als hervorragend geeignet betrachten. Stellvertretend für die Hamburger Bürgerschaft richten wir unsere Grüße und Glückwünsche an die Abgeordneten des Verkehrsausschusses und an den Präses der Baubehörde, Herrn Senator Lange.

Sie, meine Damen und Herren, die Mitglieder und Mitarbeiter der Forschungsgesellschaft sind, möchte ich schon in der Begrüßung auf eine Kritik hinweisen, die mehrfach und zunehmend an unserer Arbeit geäußert worden ist.

Unsere Richtlinien sollen den neuesten Stand der Erkenntnisse einfangen und den anerkannten Regeln der Baukunst entsprechen. Jeder, der an der Ausarbeitung solcher Richtlinien mitgewirkt hat, weiß, daß sie von der Bandbreite der Anforderungen ausgehend die Spannweite der Regelfälle beschreiben, aber auch Ausnahmetatbestände einfangen. Von ihrer Zielsetzung her sind sie – mit Verständnis ausgelegt – auf alle Fälle anwendbar. Ihre strikte Anwendung jedoch bringt die Gefahr, daß sie andere Gesichtspunkte unseres Lebens, z. B. städtebauliche und landschaftliche Fragen, überspielen und sie in der Wertung an die zweite Stelle setzen. Ein Wesenszug des Ingenieurs muß es aber sein, nach Abwägung aller Gesichtspunkte seine Lösungsvorschläge zu machen.

Tragen Sie alle, meine Damen und Herren, daher bei der Formulierung und Überarbeitung von Richtlinien, noch mehr aber bei deren Anwendung durch Sie und Ihre Mitarbeiter, dazu bei, daß dieser Vorwurf unberechtigt bleibt. Wir haben einen guten Ruf zu verlieren, denn unsere Vorschriften und Richtlinien haben zu einem Verkehrssystem beigetragen, das den Menschen in dieser Industriegesellschaft ein hohes Maß an Mobilität gestattet, die wiederum eine der Grundlagen der Wirtschaftskraft und ihres Ansehens in der Welt ist.

Meine Damen und Herren, der von der Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen ausgerichtete Straßenkongreß 1978 soll intern und nach außen ein Bericht über die Arbeiten sein, die in den vergangenen zwei Jahren fortgeführt werden konnten. Sicher kann hier nur eine Auswahl der behandelten Themen vorgetragen werden, zumal wir aktuelle Themen betonen wollen.

Hierneben ist der Kongreß auch Gelegenheit zur Besinnung über den Standort unserer Aufgaben in unserer Gesellschaft. Des Weiteren bietet ein solcher Kongreß die Möglichkeit des Gedankenaustausches unter Fachleuten. Letztlich ist er auch Anlaß, persönliche und menschliche Kontakte zu vertiefen.

Ich hoffe, daß Sie alle, Gäste, Freunde und Mitglieder der Forschungsgesellschaft, diesen Kongreß positiv erleben. Ich hoffe auch, daß Sie realisiert haben, daß wir in diesem Jahr erstmalig von Kongreß sprechen und das durch ein besonderes Zeichen auch ausdrücken wollen.

In Ergänzung unseres Programmes darf ich ankündigen, daß Herr Sektionschef Dr. Raschauer, langjähriger Vorsitzender der österreichischen Forschungsgesellschaft, für die ausländischen Teilnehmer einige Grußworte sprechen wird. Er wird das Wort nehmen nach dem Vertreter unseres diesjährigen Gastgebers, Herrn Senator Lange vom Senat der Hansestadt.

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Volltext

Der Begrüßungstext ist als PDF verfügbar.