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1 Die Kommission KB 3 „Qualitätssicherung im Straßenbau"
Die FGSV-Kommission "Qualitätssicherung im Straßenbau" ist die bauweisenübergreifende Kommission des Koordinierungsausschusses "Bautechnik" für die Begleitung und Behandlung der Aspekte des Qualitätsmanagements im Straßenbau. In erster Linie betraf dies bislang die auf Bauausführung bezogenen Arbeitsgruppen 5 bis 8 sowie die Kommission "Kommunaler Straßenbau". Während zu Beginn ihrer Tätigkeit 1989 noch Hilfsmittel zur Einführung von QM-Systemen erarbeitet wurden, z. B. für Bauunternehmen und Baustofffirmen, haben sich das Umfeld – und damit auch die Aufgaben der KB 3 – geändert und sind weiter im Wandel begriffen. Die neuen Aspekte, die damit verbundenen Aufgaben und erste Ergebnisse sollen an dieser Stelle vorgestellt werden.
Qualitätsmanagement dient nicht in erster Linie dazu, Produkte zu verbessern. Es geht in der KB 3 folglich nicht darum, z. B. neue Verfahren im Erdbau zu erfinden oder neue Prüfverfahren für den Asphaltstraßenbau, sondern um Qualität, wobei Qualität – kurz gesagt – als die Erfüllung der gestellten Anforderungen definiert ist. Wenn ein Baustoff (z. B. eine Frostschutzschicht, eine Tragdeckschicht oder eine SMA-Deckschicht), ein Bauwerk oder ein Produkt die gestellten Erwartungen bzw. die vereinbarten Leistungen erfüllt, dann ist das Qualität und nicht mehr und nicht weniger. Erstes Ziel ist also ein gesteuertes Herstellen von Produkten, die die Erwartungen und die Anforderungen erfüllen, d. h. die gezielte Produktion von Qualität.
Qualitätsmanagement beschäftigt sich demnach also nicht nur mit der technischen Beschaffenheit des Produktes, sondern behandelt den Prozess der Herstellung. Die "Herstellung" kann dabei die Herstellung eines Baustoffes sein oder der Einbau, genauso gut aber auch die Durchführung einer Planung. Qualitätsmanagement betrachtet (nur) den Prozess und greift – wie der Name schon sagt – in das Management, in die Organisation des Betriebes, des Werkes oder des Büros ein. Durch Dinge wie "Klarheit der Verantwortungen", "Organisation" usw. wird eine Basis für Entscheidungen und Fehlererkennung geschaffen, die Entscheidungsfindung wird nachvollziehbar, daraus erwachsen die Fähigkeit und der Mut zur Entscheidung und zur Fehlererkennung. So wird eine Transparenz erzeugt, die es ermöglicht, die im Bauwesen besonders miteinander verknüpften Prozesse zu erkennen und vor allem zu steuern. Die so erreichte Prozesssicherheit stellt dann die Qualität des Produktes (der Planung, des Baustoffs, der Straße) sicher. Mehr noch: Hinzu kommen fast automatisch weitere Ziele und Effekte wie "Termintreue", "Kundenzufriedenheit", "Zuverlässigkeit" usw. sowie last not least die damit einhergehenden Produktverbesserungen.
Diese Erkenntnis war nicht immer da. Zu Beginn hieß es häufig "QM ist doch ein Papiertiger, es erzeugt nur unnutzen Aufwand und ist sowieso nur etwas – wenn überhaupt – für die Baufirmen". Zugegeben, die damalige Norm mit ihren 20 Elementen erschien sehr starr, aber schon damals sollte sich das System dem Betrieb anpassen und nicht umgekehrt. Moderne Qualitätsmanagementsysteme sind heute prozessorientiert, spätestens seit Einführung der neuen DIN EN ISO 9001: 2000 im Dezember 2000.
2 Die neue DIN EN ISO 9001:2000
Im Zuge der Langzeitrevision der Normenreihe DIN EN ISO 9000 wurden etwa 20 Einzelnormen zu 4 Hauptnormen zusammengefasst, dabei auch die bisherigen drei Nachweisstufen (Bild 1) der früheren DIN EN ISO 9001, 9002 und 9003 zu einer einzigen Nachweisstufe, der 9001. Allein im veränderten Titel der neuen Norm, der nur noch "QM-Systeme: Forderungen" heißt und nicht mehr den Zusatz "Qualitätssicherung/QM-Darlegung" enthält, wird klar, dass das Ziel im Optimieren der Wirksamkeit und der Effizienz des QM-Systems besteht, nicht im Formalismus, sondern in der Leistungsverbesserung der Organisation mit dem Ziel der Verbesserung der Zufriedenheit der Kunden und anderer interessierter Parteien (Bild 2). Neu ist z. B., dass Forderungen, die im Einzelfall nicht zutreffen, künftig auch ausgeschlossen werden können.
Bild 1: Struktur der neuen DIN EN ISO 9000 ff
Bild 2: Ziele der neuen DIN EN ISO 9000 ff
Auch für die Umsetzung auf den Straßenbau enthält "die neue 9001" wesentliche Vorteile, die die künftige Anwendung erleichtern, vor allem die Betrachtung des gesamten Unternehmens und den Ansatz der permanenten Verbesserung. Zwei weitere Vorteile: Die Prozessorientierung führt zur weiteren Verbesserung der Abläufe, Schwachstellen werden unmittelbar ihrem Entstehungsort zugeordnet, damit können Verbesserungsmaßnahmen effektiv und effizient eingesetzt werden. Außerdem wird die Mitarbeiterakzeptanz entscheidend erhöht, da der Mitarbeiter seine gewohnten Arbeitsabläufe im QM-System wiederfindet. Die geforderte Dokumentation des QM-Systems beschränkt sich nun nur noch auf Grundverfahren, die in jeder Organisation benötigt werden. Alle anderen Verfahren und Dokumente sind lediglich in dem Umfang einzuführen, wie sie auch benötigt werden. Damit besteht ein wesentlich größerer Spielraum, sich auf tatsächlich notwendige und wirksame QM-Mittel zu beschränken.
Von der KB 3 wurde hierzu ein Forschungsvorhaben initiiert und betreut, dessen Ergebnis ein prozessorientiertes QM-Modell für den Straßenbaubetrieb ist. Die für den Praktiker relevanten Ergebnisse wurden im Kompendium "Praxisnahe Einführung von Qualitätsmanagementsystemen im Straßenbau" (FGSV-Nr. 948/4) zusammengefasst.
3 Routineeinsatz von Qualitätsmanagement-Plänen
Die Umsetzung auf der Baustelle selbst erfolgt in der Regel durch die Anwendung eines Qualitätsmanagementplanes (QM-Plan). Er soll sicherstellen, dass die spezifischen Qualitätsanforderungen und Tätigkeitsabläufe einer speziellen Straßenbaumaßnahme festgelegt, dokumentiert und eingehalten werden. Ein QM-Plan führt zu einer gezielten Fehlervermeidung und Optimierung des Bauprozesses mithilfe von klaren, eindeutig festgelegten und vereinfachten Abläufen. Damit kann über die internen Belange des Auftragnehmers hinaus eine reibungslose Zusammenarbeit zwischen mehreren beteiligten Partnern einschließlich des Auftraggebers bewirkt werden.
In einem AiF-Forschungsvorhaben wurden Baumaßnahmen untersucht, in denen in unterschiedlichem Maße QM-Systeme und QM-Pläne eingesetzt wurden. Ziel war es, erstens festzustellen, wie ein QM-Plan bei einer Straßenbaumaßnahme eingesetzt werden kann, und zweitens, welcher Nutzen (im Sinne von Effektivität und Effizienz) für den gesamten Bauablauf sowohl auf Auftragnehmer- als auch auf Auftraggeberseite zu erzielen ist. Es besteht verschiedentlich die Auffassung, dass wegen der Individualität der Produktionsstelle, also der Baustelle, ein allgemeiner QM-Plan nur schwer zu erreichen sei.
Die Untersuchungen an Maßnahmen ohne QM-Plan haben gezeigt, dass die Anwendung von qualitätssichernden Aktivitäten stark von der Person des Bauleiters sowie den entsprechenden Erfordernissen der Baumaßnahme abhängt. Bei den Baumaßnahmen mit QM-Plan wurden qualitätssichernde Maßnahmen durch Standard-QM-Pläne vorgegeben, die jedoch nicht unbedingt den Erfordernissen der Baumaßnahme entsprachen. Ein Standard-QM-Plan ist für jede Baumaßnahme gleich und berücksichtigt nicht, dass Baumaßnahmen in ihrer Art und ihrem Ausmaß unterschiedlich sind. Daher wurde im Rahmen der Forschungsarbeit ein Muster für einen projektspezifischen QM-Plan mit Grund- und Zusatzbausteinen entwickelt (Bild 3). Darin sind qualitätssichernde Maßnahmen und Hilfsmittel (z. B. Verfahrensanweisungen, Arbeitsanweisungen, Checklisten und Formulare) den Bereichen Projektübersicht, Projektmanagement, Bauausführung und Projektdokumentation zugeordnet und in Grund- und Zusatzbausteine aufgeteilt. Die Grundbausteine sind bei jeder Maßnahme anzuwenden, die Zusatzbausteine werden je nach Bedarf und abhängig vom Projekt von Beginn einer Maßnahme oder erst in ihrem Verlauf eingesetzt, da qualitätssichernde Maßnahmen nicht um ihrer selbst willen ausgeführt werden, sondern einen Nutzen für die Gesamtqualität einer Baumaßnahme bringen.
Bild 3: Baukastenprinzip QM-Plan
Um den Erfolg der eingesetzten Maßnahmen beurteilen zu können, wurde ein Kennzahlensystem (Bild 4) zur Bewertung von Unternehmensprozessen entwickelt, das mit dem projektspezifischen QM-Plan korrespondiert und auf der Aggregierung einzelner Kenngrößen zu Teilwerten für die Qualität des Produktes, der Bauzeit und der Kosten basiert. Bisher wurden Baumaßnahmen hauptsächlich durch den erwirtschafteten Ertrag bewertet. Mit dem vorgeschlagenen System können aber neben monetären Kenngrößen auch Fehlerquellen und Optimierungspotenziale aufgedeckt werden. Dazu müssen Unternehmensprozesse bewertet werden, um im Rahmen eines Qualitätscontrollings (Bild 5) Rückschlüsse für einen Verbesserungsprozess ziehen zu können.
Bild 4: Qualitätskennzahlen zur Erfolgsbeurteilung
Bild 5: Qualitätskontrolling
Grundlage dazu ist, dass Straßenbaumaßnahmen einer Einzelbewertung unterzogen werden. Aus der Beobachtung und dem Vergleich von gleichen Qualitätskennzahlen zu verschiedenen Baumaßnahmen geht hervor, wie sich die Qualität der Durchführung und das Ergebnis von nacheinander ablaufenden Baumaßnahmen verändern, nachdem diese durch spezifische Maßnahmen beeinflusst wurden. Außerdem ist erkennbar, an welchen Stellen eine Beeinflussung weiter notwendig bzw. überflüssig ist, um das gesteckte Qualitätsziel zu erreichen.
Von dem prozessorientierten QM-Plan mit Grund- und Zusatzbausteinen sowie dem zugehörigen Qualitätskennzahlensystem können auch Unternehmen profitieren, die kein QM-System besitzen und keines aufbauen wollen, ebenso wie Firmen mit QM-System (Bild 6). Die Mehrzahl der Mitarbeiter wenden bei ihrer Arbeit ohnehin qualitätssichernde Maßnahmen an, nur haben viele diese Maßnahmen nicht definiert, sondern sie wenden sie vielmehr intuitiv an. Das QM-Plan-Modell bietet hier eine geeignete Unterstützung, um bei komplexen Projekten den Überblick zu behalten. Der Vergleich einzelner Qualitätskennzahlen, einzelner Teilwerte oder Gesamtwerte über mehrere Baumaßnahmen hinweg verdeutlicht die Entwicklung der Qualität innerhalb eines Unternehmens. Arbeitsabläufe und Unternehmensprozesse werden durch das Definieren von Qualitätsstandards hinterfragt, überdacht und verbessert.
Bild 6: Qualitätsbewertung und kontinuierliche Verbesserung
4 Fachaudit Straßenbau
Ein funktionierendes QM-System, also eines, das zur Unternehmung passt und das lebt, kann auch zur Außenwirkung genutzt werden und Vorteile im Wettbewerb bringen. Ein QM-Zertifikat nutzt Auftraggebern und Partnern nur dann etwas, wenn auch nach außen "Vorteile" spürbar sind. Hierbei geht es nicht nur ausschließlich um die Qualität des Produktes, sondern auch um die eingangs schon erwähnten Punkte, die im Fachjargon als "Kundenzufriedenheit" zusammengefasst werden, gemeint sind Bewertungskriterien wie Zuverlässigkeit, Leistungsfähigkeit usw.
Die derzeit durchgeführten Zertifizierungen und Überwachungen von Qualitätsmanagementsystemen in Straßenbauunternehmen konzentrieren sich oftmals auf die formale Erfüllung der Forderungen der Normenfamilie und weniger auf die fachlich technische und qualitätsgerechte Erfüllung der eigentlichen Bauaufgabe. Anders als in manchen anderen Industrien können mit einer solchen Vorgehensweise die Zertifikate nach Audits in Straßenbauunternehmen mit ihrer speziellen Auftragsstruktur und ihren Besonderheiten nur bedingt als Nachweis einer fachlichen Qualifikation anerkannt werden.
In der KB 3 wurde daher ein Leitfaden zum "Fachaudit Straßenbau" erarbeitet mit dem Ziel, straßenbauspezifische Anforderungen an die Zertifizierung und Überwachung – und damit auch an die Person des Auditors selbst – zu beschreiben, um damit die Aussagekraft und die Glaubwürdigkeit eines Zertifikates zu erhöhen. Dabei steht natürlich wieder die Substanz des Systems im Vordergrund und nicht dessen Formalität. Ein nach solchen Anforderungen durchgeführtes Audit und das anschließend ausgestellte Zertifikat werden damit nicht nur den Erwartungen der Kunden und Partner gerecht, sondern werden auch dem Unternehmen die erwarteten innerbetrieblichen Vorteile bringen. Zudem kann der Leitfaden natürlich auch für nichtzertifizierte Unternehmen im Sinne z. B. einer Selbstbewertung angewendet werden (Bild 7).
Bild 7: Rolle des Leitfadens "Fachaudit Straßenbau"
Der Leitfaden enthält dazu einen straßenbauspezifischen Fragenkatalog, der bei der Vorbereitung und Durchführung von Audits sowie zur Berichterstellung als fachtechnische Ergänzung unterstützend Verwendung finden sollte. Die in der DIN EN ISO 9001:2000 enthaltenen Forderungen wurden dort ergänzt, wo straßenbauspezifische Rahmenbedingungen dies rechtfertigen.
Die Fragen aus den Komplexen "Unternehmensprofil", "Personal", "Technische Ausstattung" und "Prozesse" sind nicht dafür gedacht und auch nicht dazu geeignet, checklistenartig abgearbeitet oder durch "Listenauszählen" formalistisch beantwortet zu werden. Der Erfolg eines Audits hängt vielmehr wesentlich von der fachlichen Qualifikation und der Persönlichkeit des Auditors ab. Der Leitfaden fordert daher, dass – neben den in der DIN ISO 10011 angesprochenen Eigenschaften – der Auditor auch über fundierte Fachkenntnisse im Straßenbau verfügen sollte, die ihn in die Lage versetzen, die Ergebnisse aus dem Fragenkatalog plausibel zu beurteilen. Hierzu werden im Leitfaden konkrete Forderungen an die Qualifikation vorgeschlagen. Der Auditor muss die Fähigkeit besitzen, mithilfe des Leitfadens die Substanz und die Angemessenheit der getroffenen Festlegungen sowie die übergreifende und projektspezifische Organisation des Unternehmens beurteilen zu können und dann das Ergebnis der Beurteilung anhand des vorliegenden Fragenkataloges als zusammenfassende Stellungnahme im Auditbericht niederzulegen.
Intern kann ein solches Audit dem Unternehmen betriebliche Vorteile bringen, z. B. durch das vom Audit bzw. Auditor ausgelöste Erkennen und Abstellen von Schwachstellen mit der Folge von weniger auftretenden Mängeln, was zu geringeren Fehlerkosten führt, eine Position, die oftmals nicht richtig bekannt ist. Extern kann ein solcher Auditbericht, ergänzt mit weiteren Unterlagen des Unternehmens, ein Dokument bilden, das z. B. im Rahmen von Angebotswertungen zur Darlegung der grundsätzlichen Eignung und ständigen Aufrechterhaltung der Qualifikation für die Ausführung bestimmter Bauleistungen im Bereich des Straßenbaus herangezogen werden kann.
Bis hierher wurden Qualitätsmanagement und Qualitätsmanagementsysteme in Straßenbaufirmen betrachtet. QM ist aber nicht auf Bauunternehmen beschränkt. Am Produkt Straße und seiner Entstehung sind viele Stellen beteiligt (Bild 8). Fehler, die "vorne" leicht zu vermeiden gewesen wären, sind "hinten" nur noch mit großem Aufwand zu reparieren. Die beste Organisation an nur einer Stelle nützt nicht viel, wenn die Schnittstellen mit anderen am Prozess Beteiligten nicht richtig funktionieren. QM macht den meisten Sinn, wenn alle Stellen, die in den Entstehungsprozess eingebunden sind, in das QM-System integriert werden: Die Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied.
Bild 8: Am Produkt Straße und seiner Entstehung beteiligte Stellen
5 Qualitätsmanagement für Planungsleistungen
Als erster Schritt in diese Richtung wurde 1998 der Leitfaden für das Qualitätsmanagement bei Planungsleistungen erarbeitet. Planungsleistungen (hier als die eigentliche Planung verstanden) sind geistig-schöpferische Einzelleistungen; ihr Ergebnis ist als "kreative" Leistung in der Regel ein Unikat.
Das Gesamtergebnis des Produktes "Planungsleistung" setzt sich zusammen aus dem kreativen und einem handwerklichen Teil, der aus sich wiederholenden Arbeitsabläufen besteht. Ein QM-System kann nun weniger den kreativen Anteil an der Qualität eines Planungsproduktes verbessern, sondern vielmehr die Qualität der Arbeitsabläufe. Ein Beispiel: Die günstigste Linienführung einer Ortsumfahrung, die sowohl eine technisch und wirtschaftlich zufriedenstellende Lösung darstellt als auch die ökologischen Anforderungen nach einer möglichst geringen Betroffenheit erfüllt, entsteht aufgrund der kreativen Fähigkeiten eines Planungsingenieurs oder eines Ingenieurteams. Wenn aber bei der Entwurfsbearbeitung der Wannentiefpunkt und der Querneigungswechsel zusammenfallen, so dass die Entwässerung nicht mehr gewährleistet ist, stellt das einen handwerklichen Mangel dar, der durch ein wirksames QM-System vermieden werden kann (Bild 9).
Bild 9: QM-Systeme bei Planungsleistungen
Nach Einführung eines QM-Systems gemäß Leitfaden wird die Qualität der Arbeitsabläufe verbessert, so dass solche handwerklichen Mängel (weiteres Beispiel: unvollständige Erfassung betroffener Grundstückseigentümer in Planfeststellungsunterlagen), die häufig die verfahrensrechtliche Durchsetzung eines Projektes erschweren oder gar zum Scheitern bringen, weitgehend ausgeschlossen werden können.
Der Leitfaden gibt Tipps und Hinweise, wie ein QM-System in einem Planungsunternehmen aufgebaut und eingeführt werden kann. Als "Planungsunternehmen" sind dabei ausdrücklich auch die öffentlichen Auftraggeber angesprochen, sofern die Verwaltung Planungsleistungen noch weitgehend selbst erbringt. Unter Planungsleistung wird dabei sowohl die eigentliche Planung als auch das Aufstellen von Ausschreibungsunterlagen verstanden, was den Leistungsphasen 1 bis 6 der HOAI einschließlich der besonderen Leistungen entspricht.
Ein weiteres Glied in der Kette sind die Ingenieurbüros, die zunehmend auch in die Bauvorbereitung eingeschaltet werden.
6 Qualitätsmanagement beim Einsatz von Ingenieurbüros
Neben haushaltspolitischen Vorgaben, die den Straßenbauverwaltungen auferlegen, Personal abzubauen, erfolgt zunehmend eine auch aus ökonomischen Gesichtspunkten sinnvolle Aufgabenteilung zwischen der Straßenbauverwaltung als Bauherr und Ingenieurbüros als Dienstleister. Ingenieurleistungen, die nicht eindeutig als Bauherrenaufgabe einzustufen sind, können grundsätzlich an Dritte vergeben werden.
In diesem System hat das Ingenieurbüro eine Dienstleistung zu erbringen, aber auch der Auftraggeber, die Straßenbauverwaltung, hat bestimmte Pflichten gegenüber seinem Auftragnehmer "Ingenieurbüro". In einem Leitfaden zum "Einsatz von lngenieurbüros bei der Ausschreibung und Ausführung von Straßenbauleistungen" wird aufgezeigt, wo Regelungen im Verhältnis zwischen der Straßenbauverwaltung und lngenieurbüros erforderlich sind, damit es in diesen Prozessen nicht zu systembedingten Erschwernissen oder gar Konflikten kommt.
Solche Regelungen betreffen z. B. die fachgerechte Auswahl von geeigneten Ingenieurbüros, die klare Abgrenzung von Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten auf der Baustelle, die Anwesenheit auf der Baustelle sowie das zeitgerechte Herbeiführen von notwendigen Entscheidungen.
Der Leitfaden wird dazu herausarbeiten, worin die öffentlich-rechtlichen Aufgaben der Bauaufsicht und worin die privat-rechtlichen Aufgaben der Bauüberwachung bestehen (diesen beiden Aufgaben des Auftraggebers steht grundsätzlich die Aufgabe "Bauleitung" des Auftragnehmers gegenüber). Im Weiteren wird dargelegt, welche Bauherrenaufgaben grundsätzlich an ein Ingenieurbüro delegierbar sind. In welchem Umfang der jeweilige Bauherr diese Aufgaben tatsächlich an ein lngenieurbüro abgibt, ist seiner Entscheidung überlassen. Es wird auch ein Anforderungsprofil an ein Ingenieurbüro definiert. Hierzu werden Qualifikationskriterien für die Vergabe von Ingenieurleistungen formuliert; weiteres Ziel ist ein Bewertungsschema mit Gewichtung der einzelnen Kriterien.
Eigentlicher Kern des Leitfadens sind die Voraussetzungen für einen optimierten Bauablauf: Welche Beiträge müssen der Bauherr, das Ingenieurbüro und die bauausführende Firma erbringen, damit der Bauablauf möglichst problemlos abgewickelt werden kann. Eine Ad-hoc-Gruppe, zusammengesetzt aus Vertretern der Bauindustrie, der Verwaltung und Ingenieurbüros, ist zurzeit mit diesen Fragen beschäftigt und wird im Frühjahr 2003 ein entsprechendes Papier vorlegen.
Also auch hier stehen wieder die Schnittstellenbeschreibung und -festlegung zwischen den beteiligten Stellen im Vordergrund.
7 Ausblick auf ein übergreifendes Qualitätsmanagement-System
Wenn man nun auf diesem Weg konsequent weiterdenkt, muss man zu der Erkenntnis gelangen, dass eine umfassende Qualitätssicherung und -verbesserung im Straßenwesen am besten erreicht werden kann, wenn mit einem geschlossenen System alle Teile der Qualitätskette "Planung-Bau-Betrieb" erfasst werden. Die Entwicklung eines solchen durchgängigen QM-Systems hat sich die KB 3 für die nähere Zukunft als Aufgabe gestellt – natürlich unter Einbezug der planungsbezogenen Arbeitsgruppen der FGSV. Ein System also, in dem nicht mehr mehrere (QM-)Systeme in Einzelbereichen nebeneinander herlaufen, sondern ein auf ein Ineinandergreifen ausgerichtetes System, einschließlich der Integration verschiedener Prüfungen und Prozesse. Hierzu soll zunächst ein Strategiepapier entwickelt werden, in dem drei Ebenen miteinander verknüpft werden müssen.
Die erste Ebene ist der Prozessablauf. Hierunter ist der gesamte Lebenszyklus einer Straße zu verstehen, streng genommen von der Bedarfsplanung bis zum Rückbau. Grob lässt er sich in die Einheiten Planung, Bau und Betrieb aufteilen, die in detaillierte Teileinheiten aufzuschlüsseln sind.
Die zweite Ebene bilden die Fachdisziplinen, deren Beiträge ebenfalls in Abhängigkeit der o. g. Teileinheiten zu spezifizieren sind. Dazu gehören neben den Leistungsphasen der HOAI einschließlich der besonderen Leistungen (Verkehrsgutachten, Vermessung, Baugrundgutachten, entwässerungstechnischer Entwurf, Emmissionsuntersuchungen usw.) der eigentliche Bau (u. a. Bauphasen, Bauablauf, Verkehrsführungen) sowie der Betrieb mit der baulichen und betrieblichen Erhaltung.
Die dritte Ebene sind schließlich die am Prozess Beteiligten, die sich gliedern in Auftraggeber (Baulastträger), Auftragnehmer (Ingenieurbüros, Bauunternehmen), Prüfinstitutionen (Fachbehörden, Prüflaboratorien, Auditoren) und Genehmigungsbehörden (Planfeststellungsbehörde, Umweltbehörde usw.).
In diesem komplexen Geflecht sind die Schnittstellen und Abhängigkeiten aufzuzeigen und zunächst die bereits vorliegenden Ausarbeitungen zur Qualitätssicherung einzuordnen. Anschließend können weitere Leitfäden erarbeitet und in dieses übergeordnete System eingebunden werden.
Als wesentliche und auch notwendige Meilensteine im Rahmen dieses Systems sieht die KB 3 die Integration spezieller Prüfungen, wie sie zum Teil schon durchgeführt werden und wie sie in allen Phasen des Bauablaufes durchgeführt werden sollten. Als Beispiel sei an dieser Stelle das Sicherheitsaudit für Straßen genannt, das als Element der Qualitätssicherung für alle Verkehrsteilnehmer (Kraftfahrer, Radfahrer und Fußgänger) bei neuen bzw. um- oder ausgebauten Straßen eine optimale Verkehrssicherheit bewirkt. Hierzu sind in verschiedenen Phasen Audits durchzuführen, zur Machbarkeitsstudie/Vorplanung, zum Vorentwurf, zum Detail- bzw. Ausführungsentwurf, vor der Verkehrsfreigabe und während des Betriebs der Straße (regelmäßige Verkehrsschau). Eine Ad-hoc-Gruppe der Forschungsgesellschaft hat hierzu dezidierte Vorschläge bis hin zu Prüfkriterien ausgearbeitet, die im Land Brandenburg bereits erfolgreich umgesetzt werden. Dieses wäre eine solche Prüfung, die in dieses übergeordnete und umfassende QM-System hervorragend eingebunden werden könnte; ein weiteres Beispiel sind die Umweltverträglichkeitsprüfungen. Darüber hinaus könnten und sollten noch weitere spezielle Prüfungen in dieses QM-System integriert werden. Vorstellbar sind solche Prüfungen unter anderem im Hinblick auf eine wirtschaftliche Gestaltung der Verkehrsanlage (Linienführung, Querschnitt, Bauwerke usw.), auf ein unterhaltungsfreundliches Planen und Bauen, auf nachhaltige Erhaltungsstrategien und auf eine Optimierung des Betriebsdienstes (z. B. Baustellenmanagementsystem).
Ein umfassendes QM-System, das die Belange der gesamten Qualitätskette berücksichtigt, würde nicht nur zu einer Qualitätsverbesserung führen, sondern auch zu einer Verkürzung der Planungs- und Genehmigungsabläufe sowie zu einer Minimierung der Investitions- und Betriebskosten.
Mit diesem sicherlich sehr ehrgeizigen und langfristigen Vorhaben würde die KB 3 ihre traditionelle Bauausführungsbezogenheit verlassen. Hierüber ist natürlich zunächst mit den anderen Beteiligten zu sprechen und vor Umsetzung ein entsprechendes Mandat einzuholen. Dieser Schritt ist aber logisch und mittel- bis langfristig erforderlich, wenn der Auftrag der KB 3, eine übergreifende Qualitätssicherung, ernst genommen werden soll. Letztlich ist gemeinsames Ziel aller das Qualitätsprodukt Straße und die Zufriedenheit seines Nutzers. Natürlich ist auch die Zufriedenheit aller an Planung, Bau und Betrieb Beteiligten ein weiteres wichtiges Ziel.
Literaturverzeichnis
- Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen: Leitfaden für das Qualitätsmanagement im Straßenbau
Teil: Asphalt-Herstellen (FGSV-Nr. 948/1), 1996 Teil: Oberbauarbeiten (FGSV-Nr. 948/2), 1996 Teil: Planungsleistungen (FGSV-Nr. 948/3), 1998 Teil: Kompendium – Praxisnahe Einführung von Qualitätsmanagementsystemen nach DIN EN ISO 9000 im Straßenbau (FGSV-Nr. 948/4), 2001
- Knackstedt, J.; Roos, R.: Leitfaden für das Qualitätsmanagement im Straßenbau, Teil Planungsleistungen, Straße und Autobahn Heft 9/98
Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen: Empfehlungen für das Sicherheitsaudit von Straßen (ESAS) (FGSV-Nr. 298), 2002
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