| Einleitung |
Die Eckpunkte einer Bedarfsanalyse für den Straßenbau in Deutschland sind die enormen Verkehrszuwächse mit dem überwiegenden Anteil im Straßenverkehr und der schon jetzt mangelhafte Zustand der Verkehrsinfrastruktur. Der Grund für die entstandenen Defizite mit den inzwischen eintretenden Standortnachteilen wird in der permanenten Unterfinanzierung der Verkehrshaushalte, insbesondere mit einem sehr hohen Anteil beim Straßenbau, gesehen. Die ständig unzureichenden Finanzmittel führten auch zu der gegenwärtigen dramatischen Situation der deutschen Straßenbauwirtschaft. Deshalb werden eine sofortige, verstärkte öffentliche Finanzierung – Aufstockung des Bundesfernstraßenetats um jährlich 4 Mrd. DM – und mittelfristig eine Privatisierung und Privatfinanzierung entsprechend den Vorschlägen der Pällmann-Kommission gefordert, um die Zukunft der Wirtschaftsdrehscheibe Deutschland im Kontext der europäischen Integration zu sichern.
Straßen verbinden, Straßen sind Teil eines Wirtschaftssystems, sie sind die Lebensadern der Städte, der Länder und der Kontinente. Mobilität erfüllt das grundlegende menschliche Bedürfnis nach Ortsveränderung und ist eine wesentliche Voraussetzung für Funktionsfähigkeit und Leistungsfähigkeit der Gesellschaftsstrukturen. Straßenbau – wohin führt der Weg für den Straßenbau? Führt er auf die Autobahn, die Schnellstraße – damit wir schnell ans Ziel kommen – privat, im Urlaub, zur Arbeit, geschäftlich? Oder führt der Weg für den Straßenbau auch künftig in den Stau, in den Entscheidungsstau, in den Investitions- oder Finanzierungsstau, oder führt er gar in die Sackgasse? Oder führt er lediglich zum Bahnhof als Zubringer und Hilfsdienstleistender der öffentlichen Nahverkehrsmittel und der Fernzüge? Oder führt der Weg für den Straßenbau auf den Daten-Highway, auf die virtuelle Straße? Investieren wir ausschließlich hier, um die realen Straßen überflüssig zu machen? Die revolutionären Entwicklungen im E-Commerce bewegen in dramatischer Geschwindigkeit die Welt. Wenn Sie früher an einem Samstagvormittag hier in Hamburg einkaufen gingen, haben Sie sich einen Parkplatz gesucht, haben im Schuhgeschäft Ihre Schuhe gekauft, in der Boutique Ihr Hemd, im Lebensmittelgeschäft die Butter und die Milch und im Bücher laden Ihre Lektüre für das Wochenende. Anschließend gingen Sie schwer bepackt zu Ihrem Auto und fuhren nach Hause.
Heute, oder besser gesagt morgen, sitzen Sie am Sonntagvormittag am Bildschirm und bestellen Ihr Buch, Ihr Hemd, Ihre Lebensmittel per Internet.
Aber, und jetzt kommt der Unterschied: Die Auslieferung für Hemd, Butter und Buch zu Ihnen erfolgt in drei getrennten Fahrten und nicht in einem Sammeltransport, den Sie früher selbst vorgenommen haben. Auch mit E-Commerce werden wir in Zukunft nicht weniger, sondern mehr Verkehr haben. Dies ist erwiesen. Straßen werden auch in Zukunft gebraucht. Der Bedarf ist unstrittig. |