Das Kernstück des Kapitels 6 des HBS bildet die verkehrstechnische Berechnung von Lichtsignalsteuerungen, wobei hauptsächlich Bezug auf die Festzeitsteuerung genommen wird, da nur für dieses Steuerungsverfahren ein umfassendes Berechnungsinstrumentarium vorliegt. Zur Durchführung der verkehrstechnischen Berechnungen sind für den Praktiker übersichtliche Berechnungsformulare entwickelt worden. Außerdem sind zum besseren Verständnis der Verfahren Berechnungsbeispiele mit ausführlichen Erläuterungen zusammengestellt. Mit Hilfe des vorgegebenen Bewertungsschemas kann die Qualität des Verkehrsablaufs an geplanten und bestehenden Knotenpunkten mit Lichtsignalanlage für die einzelnen Verkehrsarten/-mittel genau beurteilt werden. Um die Belange einzelner Verkehrsteilnehmergruppen besser zu berücksichtigen, sind dann über Wartezeitanalysen gegebenenfalls Korrekturen am Signalprogramm vorzunehmen. Der Beitrag behandelt die Komplexe Bemessungsverkehrsstärken, Ermittlung von Sättigungsverkehrsstärken, Wahl der Umlaufzeit, Bestimmung von Wartezeiten und Bedeutung von Koordinierungen. Die Bearbeitung des Kapitels hat aber auch deutlich gezeigt, dass es noch eine Reihe offener Fragen und Probleme zur Lichtsignalsteuerung gibt.
Die Lichtsignalanlagen bilden das Grundgerüst der städtischen Verkehrsorganisation und bestimmen damit maßgebend die Verkehrsabwicklung im innerörtlichen Hauptstraßennetz.
Wegen der zentralen Bedeutung der Lichtsignalsteuerung war man im FGSV-AA 3.16 „Verkehrsbeeinflussung innerorts“ der einhelligen Meinung, dass im Zuge der Neufassung des „Handbuches für die Bemessung von Straßenverkehrsanlagen“ (HBS) das Kapitel „Knotenpunkte mit Lichtsignalanlagen“ des Handbuchentwurfs [B r i l o n u. a. 1994] überarbeitet werden sollte. Dazu wurde ein AK 3.16.10 „HBS-Lichtsignalanlagen“ unter der Leitung von Dr.-Ing. J. Harders gegründet, der die Überarbeitung dieses Kapitels begleitete.
In den „Richtlinien für Lichtsignalanlagen“ [RiLSA 1992] wird besonders darauf hingewiesen, dass beim Aufbau von Lichtsignalsteuerungen auf Grund der unterschiedlichen Interessen und der konkurrierenden Forderungen der einzelnen Verkehrsteilnehmergruppen häufig Zielkonflikte entstehen können. Es müssen dann Prioritäten gesetzt werden bzw. Kompromisslösungen durch geeignete Maßnahmekombinationen angestrebt werden. Unter diesen Prämissen waren im Kapitel 6 die verkehrstechnischen Grundlagen für die Planung von Lichtsignalanlagen und vor allem für die Bewertung der Qualität des Verkehrsablaufs darzustellen. Die Gliederung dieses Kapitels des HBS ist aus der Tabelle 1 ersichtlich.
Tabelle 1: Gliederung des Kapitels 6 „Knotenpunkte mit Lichtsignalanlagen“ im HBS
Die Überarbeitung hat sich schwerpunktmäßig auf vier wesentliche Literaturquellen
– Brilon, W.; Großmann, M.; Blanke, H.: Verfahren für die Berechnung der Leistungsfähigkeit und Qualität des Verkehrsablaufs auf Straßen (Entwurf eines Handbuchs 1994) – Richtlinien für Lichtsignalanlagen RiLSA – Lichtzeichenanlagen für den Straßenverkehr – Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen, Köln 1992 – Highway Capacity Manual (HCM), Washington 1985 und 1994 – Schnabel, W.; Lohse, D.: Grundlagen der Straßenverkehrstechnik und der Verkehrsplanung. Band 1. Berlin 1997
gestützt. Zu speziellen Problemen wurde zusätzliche Fachliteratur herangezogen. Im Folgenden wird auf wichtige verkehrstechnische Sachverhalte einzelner Abschnitte des Kapitels eingegangen, die besonders für die Verkehrspraxis von Interesse sein dürften. |