FGSV-Nr. FGSV 001/7
Ort Hamburg
Datum 11.10.1978
Titel Begrüßung durch den Präses der Baubehörde Hamburg
Autoren V. Lange
Kategorien Kongress
Einleitung

Herr Minister, meine sehr verehrten Damen und Herren, im Namen der Freien und Hansestadt Hamburg heiße ich Sie recht herzlich hier in unserem Kongreßzentrum und in unserer Stadt willkommen. Ein solcher Kongreß oder ein Kongreß schlechthin ist für die Hansestadt immer ein Erfolg, wenn er hier in unseren Mauern stattfindet. Dieser Kongreß hat für Hamburg allerdings eine besondere Bedeutung, denn wir befinden uns im Augenblick gerade in einer Diskussion, die sicherlich in vielen Themen Ihres Kongresses berührt wird. Wir sind bei der Fortschreibung bzw. bei der Entscheidung über den Generalverkehrsplan für diese Stadt. Es zeigt sich schon aus dieser Problemstellung heraus, daß wir natürlich aus dieser Sicht sehr interessiert sind am Verlauf, vor allen Dingen aber an den Ergebnissen dieses Kongresses. Es stellt sich uns die Frage – und das hat sich zumindest in der ersten Diskussion des Generalverkehrsplanes in diesem Jahr gezeigt –, ob die Basisdaten zutreffen, welche Prognosemodelle in die weitere Planung einzugeben sind, ob Prognosen überhaupt in dieser Zeit gestellt werden können und welche Entwicklung der Autoverkehr generell nehmen wird. Wir sind von den bisherigen Zahlen der Entwicklung 1970–1977 überrascht. Es ist festzustellen, daß die Motorisierung auch in Hamburg und insbesondere auch im Umland Hamburgs einen erheblich höheren Grad erreicht hat, als wir dieses vorausgeschätzt haben. Man muß sich daher überlegen, wie in den nächsten Jahren der Wirtschaftsverkehr in Hamburg abgewickelt werden kann. Es geht uns dabei nicht um die Verkehrsspitzenzeiten, diese müssen wir in einem Ballungsgebiet wie Hamburg vernachlässigen. Es geht uns vielmehr um die Abwicklung des Verkehrs im Zeitraum des Wirtschaftsverkehrs von 9.00 bis 15.00 Uhr. Wir müssen uns Gedanken machen, welche dringlichen Maßnahmen durchzuführen sind, um diesen Verkehr abzuwickeln. Vorrang haben dabei Überlegungen, wie wir Unfallschwerpunkte und Verkehrsknotenpunkte entlasten können und wie durch zusätzliche Baumaßnahmen die Verkehrsschwerpunkte so gestaltet werden können, daß der Wirtschaftsverkehr in dieser Stadt fließt. Uns ist bekannt, daß unser heutiges System sicherlich sehr positiv dasteht im Vergleich zu anderen Großstädten. Wir wissen aber auch, daß wir uns auf dieser Erkenntnis nicht ausruhen können, sondern daß wir weiter planen und uns darauf einrichten müssen, daß der Verkehr in dieser Stadt – auch bei sinkender Bevölkerungszahl – in Zukunft noch weiter zunehmen wird.

Ich begrüße als der zuständige Senator, der nicht nur für Straßenbau, sondern für den Gesamtbereich des Städte- und Wohnungsbaues in dieser Stadt verantwortlich ist, daß dieser Kongreß nicht als Straßenbaukongreß stattfindet, sondern als Straßenkongreß übergeordnete Themen behandelt. Diese Themen zeigen, daß es nicht nur um die technische Abwicklung und um die technischen Erkenntnisse im Rahmen des Straßenbaues geht, sondern daß es um mehr geht. Es geht darum, nicht nur die Straßen zu bauen, sondern sie einzupassen in die städtebauliche Umgebung. Ich glaube, ich brauche nicht deutlich zu machen, daß es gerade in einem Ballungsraum wie Hamburg sehr darauf ankommt, daß wir dieses wohl überdenken und den Straßenbau einbinden in die städtebauliche Diskussion.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, ich meine, daß es heute nicht darum geht, Straßen für die Autos und gegen den Bürger zu bauen, sondern daß wir in dieser Zeit und in der Zukunft Straßen für die Autos und für die Bürger bauen müssen. In dem Augenblick, wo Straßen Stadtteile zerstören, wo sie die Entwicklung im Rahmen der Stadtteile behindern, können wir uns für diese Straßenplanung und für diesen Straßenbau nicht einsetzen. Wir können uns nur dort für den Straßenbau einsetzen, wo er die Stadtteilentwicklung begünstigt, wo er Verkehr aus Stadtteilen herauszieht und diese wieder lebenswerter macht, so daß wir überhaupt erst beginnen können, von Wohn- und Lebensqualität in solchen Stadtteilen zu sprechen. Ich meine, daß die Thematik dieses Kongresses deutlich macht, daß die Probleme erkannt sind und daß Sie mit diesem Kongreß auch dem Politiker Entscheidungshilfen geben wollen. Ich begrüße, daß Sie in Ihrem Kongreß die Fragen des Umweltschutzes ansprechen wollen. Wir in Hamburg wollen bereits im Haushalt 1979 erhebliche Mittel einwerben, um Lärmschutz zu betreiben. Dabei handelt es sich um ein langfristiges Programm, das 15 bis 20 Jahre einnehmen wird und uns bis zu 500 Mio. DM kosten wird. Wir meinen aber, daß eine Großstadt wie Hamburg, die Wert darauf legt, daß der Bürger sich in ihr wohlfühlt, nicht umhin kommt, daß dieser Lärmschutz im Wesentlichen an den Gebäuden so schnell wie möglich durchgeführt wird.

Ich begrüße, daß Sie sich in Ihrem Kongreß auch mit dem Thema der verkehrsberuhigten Zonen in Großstädten beschäftigen. Wir in Hamburg sind der Auffassung, daß Lebens- und Wohnqualität sich in bestimmten Wohnbereichen erst herstellen lassen, wenn wir den Verkehr erheblich vermindern und die Straße wieder zu dem machen, was sie einmal war, nämlich Kommunikationszentrum einer bestimmten Wohngegend, Begegnungsstätte, die nicht gestört wird durch den ruhenden oder fahrenden Durchgangsverkehr. Dabei wissen wir sehr wohl, daß dieses sich nicht allein dadurch realisieren läßt, daß wir den Verkehr einfach aus Wohngebieten herausnehmen, sondern daß an anderer Stelle, wo der Verkehr verstärkt auftritt, zusätzliche Maßnahmen zu ergreifen sind. Meine sehr verehrten Damen und Herren, in einer kurzen Begrüßung läßt es sich nicht ermöglichen, daß ich auf alle einzelnen Probleme eingehe. Ich wollte in dieser Begrüßung aber deutlich machen, daß wir die Thematik dieses Kongresses sehr begrüßen, daß wir uns von diesem Kongreß Ergebnisse erhoffen, die uns Hilfestellung geben können bei den Entscheidungen, die zumindest auch in dieser Stadt in den nächsten Jahren und Jahrzehnten vor uns liegen. In diesem Sinne wünsche ich dem Kongreß einen guten Verlauf und gute Ergebnisse.

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