FGSV-Nr. FGSV 001/7
Ort Hamburg
Datum 11.10.1978
Titel Straßenbeanspruchung durch schwere Nutzfahrzeuge
Autoren Hans Günter Krebs
Kategorien Kongress
Einleitung

Das zunächst zu behandelnde Thema der Straßenbeanspruchung durch schwere Nutzfahrzeuge könnte einen ganzen Straßenkongreß füllen, jedoch stehen uns hierfür nur 1½ Stunden Zeit zur Verfügung. Es können also heute nur Ausschnitte aus den Forschungsergebnissen mitgeteilt werden, und auch die Beschränkung auf flexible Decken erfolgt aus diesem Grunde. Eben deshalb werde ich auch meine einleitenden Bemerkungen sehr kurz halten. Die Herren Referenten habe ich gebeten, sich in den verfügbaren Zeitrahmen einzupassen, und ich darf diese Bitte hier noch einmal wiederholen.

Wir alle wissen um die Bestrebungen zur Harmonisierung der Achslasten im europäischen Rahmen. Für die Bundesrepublik Deutschland würde dies ihre Erhöhung bedeuten. Man kann wohl als gegeben annehmen, daß hierdurch die Wirtschaftlichkeit der besonders schweren Nutzfahrzeuge gesteigert werden kann. Wir wissen aber auch um die Straßenschäden, die infolge des verminderten Verformungswiderstandes bituminöser Materialien bei Wärme oder des Bodens bei Durchfeuchtung und nach Frosteinwirkung eintreten können. Seit dem AASHO-Road-Test gehen wir davon aus, daß eine Kumulierung der Lasteinwirkungen zu einer Kumulierung der Straßenbeanspruchung und zu einer Kumulierung der Straßenschäden führt. Die 4. Potenz des Verhältnisses zweier Achslasten ermöglicht die Umrechnung auf eine Bezugsachslast. Die Zahl ihrer Übergänge bis zum Versagen der Straße beschreibt deren Lebensdauer. Das Konstatieren des Versagens macht allerdings Schwierigkeiten. Vielleicht ist dies aber nicht so wichtig wie die Frage, ob sich die Zusammenhänge verändern lassen. Hierzu werden die Herren Professoren Eisenmann und Mitschke in den späteren Referaten einige Angaben machen.

In den letzten Jahren sind Erkenntnisse gewonnen worden, daß die einzelnen Schichten einer Straßenkonstruktion eine von unten nach oben allmählich zunehmende Steifigkeit aufweisen sollen. Die Tragfähigkeit einer Straße ist die Funktion ihrer Gesamtkonstruktion. Die Tragschichten der Straßenkonstruktion werden nach der RStO 75 als austauschbar angesehen, wenn bestimmte Äquivalenzwerte der Materialien beachtet werden. Es bestehen jedoch Zweifel daran, ob die RStO 75 mit der Gleichwertigkeit ihrer Standardbauweisen richtig liegt. Herr Dr. Stever wird sich nicht nur mit den Auswirkungen höherer Radlasten, sondern auch mit dieser Frage beschäftigen.

Wir alle haben Vorstellungen von der Lebensdauer unserer Straßen, meistens unbewußt sehen wir sie vor dem Hintergrund einer zulässigen Achslast von 10 t. Eine Erhöhung der zulässigen Achslast ist für uns gleichbedeutend mit einer Verkürzung der Straßenlebensdauer. Mit dieser Schlußfolgerung machen wir es uns zu einfach. Zunächst müßten wir wissen, was eigentlich an Lasten über unsere Straßen fährt. Unter vielen anderen Mitteilungen wird hier zu Herr Dr. v. Becker einiges ausführen, was viele von uns überraschen wird.

Wir wollen also heute versuchen, das Generalthema der Straßenbeanspruchung durch schwere Nutzfahrzeuge vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Situation und der auf die Zukunft gerichteten Bestrebungen unter kritischer Betrachtung der modernen Standardisierung der Straßendecken darzustellen. Daran soll sich anschließen, wie denn Straßenbeanspruchung meßbar und bewertbar gemacht werden kann und welche Einflußgrößen außer dem statischen Belastungswert der Achs- oder Radlast hier eine Rolle spielen und wie diese Einflüsse quantifiziert werden können. Daraus können dann nicht nur Forderungen an die Straßenbautechnik, sondern auch solche an die Nutzfahrzeugtechnik abgeleitet werden. Das gemeinsame Ziel von Straßenbauern und Fahrzeugbauern muß im jeweils eigenen Interesse das sein, die Straßenbeanspruchung zu minimieren.

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Der Fachvortrag zur Veranstaltung ist als PDF verfügbar.