FGSV-Nr. FGSV 001/6
Ort Mainz
Datum 03.11.1976
Titel Straßenbau. Aufgabe – Herausforderung – Perspektiven
Autoren Heribert Thul
Kategorien Kongress
Einleitung

Ich habe über ein Thema vorzutragen, das nicht nur sehr anspruchsvoll ist, sondern auch – über Fachkreise hinweg – weite Teile unserer Bevölkerung bewegt.

  • Die Aufgaben im Straßenbau sind vielen Mitbürgern bekannt;
  • die damit verbundene Herausforderung jedoch wird vom Straßenbauingenieur nicht immer gesehen und
  • die Perspektiven werden allzu oft falsch oder zumindest verzerrt dargestellt.

Lassen Sie mich den Versuch machen, eine objektive Darstellung zu geben, und haben Sie Verständnis, wenn die Wahrheit dann und wann auch einmal unangenehm sein kann.

Mit zunehmender Motorisierung wuchs das öffentliche Interesse am Straßenbau. Die Bedeutung eines leistungsfähigen Straßennetzes für eine industriell hochentwickelte Volkswirtschaft ist unbestritten. Natürlich wandelt sich die Aktualität im Laufe der Zeit. Das wissen wir, das haben wir erlebt und spüren es auch heute wieder!

Nachfrageveränderungen, Energie- und Finanzkrisen, Verschiebungen im gesellschafts- und verkehrspolitischen Spannungsfeld und vieles andere mehr haben zwangsläufig Auswirkungen auf die verkehrspolitische Orientierung und Entscheidung, auch wenn sie in der Regel nur temporär und ohne durchgreifende Verlagerungen in der Verkehrsmittelwahl und damit im Verkehrswegebedarf sind.

Der Stellenwert des Straßenbaues hat sich trotz heftiger Diskussionen kaum verändert. Diese Tatsache ist für die am Straßenbau Beteiligten zwar beruhigend, sollte uns jedoch nicht zu Gleichgültigkeit, Untätigkeit oder gar Interessenlosigkeit veranlassen. Wenn wir nicht Tag für Tag unsere Aufgaben ernstlich anpacken und sie fortschreiben, wenn wir uns der permanenten Herausforderung nicht immer wieder aufs Neue stellen, wenn wir nicht zur Analyse- und für neue Perspektiven bereit sind, sind wir nicht die Ingenieure, auf die sich gerade heute so viele Hoffnungen abstützen. Verlangen nicht gerade der begrenzte Umfang der verfügbaren finanziellen Mittel einerseits und der erhebliche Bedarf an öffentlichen Leistungen, u. a. an Investitionen im Verkehrsbereich, andererseits, mehr denn je rationale Entscheidungen im Rahmen einer umfassenden Gesamtkonzeption?

Für viele von uns mag das keine Frage sein. Dennoch gilt es, immer wieder unsere Positionen, die für die Realisierung der Ziele im Straßenbau in den kommenden Jahren maßgebend sind, klar und unmißverständlich zu markieren. Das ist der Grund, weshalb ich für meinen Vortrag als Leitmotive Aufgabe – Herausforderung und Perspektiven“ gewählt habe.

Die Schwerpunkte der Straßenbaupolitik sind heute:

  • Straßenplanung,
  • Neubau und Erneuerung,
  • Verkehrstechnik,
  • Umweltschutz,
  • Rationalisierung und
  • Forschung.

Auf diese Schwerpunkte möchte ich mich im Rahmen meines Vortrages beschränken. Und anhand dieser Themen möchte ich Aufgaben, Herausforderung und Perspektiven darstellen.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen des Kraftfahrzeuges spiegeln sich u. a. in größerer Mobilität der Bevölkerung wider. Der Wunsch nach Ortsveränderung prägt die Nachfrage nach Verkehrsleistung, bestimmt das Verkehrsvolumen und fordert ein entsprechendes Verkehrsangebot. Damit ist die Aufgabe grob markiert.

Die Lösung dieser Aufgabe setzt realistische Programme voraus. Das gilt sowohl in Bezug auf die Bedarfsermittlung, die ein sicheres, leistungsfähiges und wirtschaftliches Verkehrssystem garantieren soll, als auch hinsichtlich der Finanzierungsmöglichkeiten. Wir haben im Straßenbau in der Vergangenheit verschiedentlich solche Programme entwickelt; Programme, mit denen wir versuchten, einer stürmischen Verkehrsentwicklung gerecht zu werden. Zur Charakterisierung der Ausgangssituation für weitere Überlegungen möchte ich in einer kurzen Rückschau mit ein paar Sätzen ihre Ergebnisse in Erinnerung rufen.

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Volltext

Der Fachvortrag zur Veranstaltung ist als PDF verfügbar.