| Einleitung |
Wenn jemand 8 Jahre lang den Forschungsbeirat unserer Gesellschaft geleitet hat, an der Aufstellung von 8 Jahresforschungsprogrammen, von 2 mittelfristigen Forschungsprogrammen und nun zuletzt eines Schwerpunktprogramms der Straßenbauforschung maßgeblich mitgewirkt hat, so scheint es zumutbar, von ihm einen Bericht darüber zu erwarten. Dies ist aber ganz offensichtlich nicht mein Thema, das sich mit den Schwerpunkten künftiger Straßenforschung befassen soll. Denn Straßenforschung ist ein Begriff, der alles umfassen soll, was von der Verkehrsnachfrage unter Berücksichtigung von Fragen der Raumordnung und Siedlungsstruktur sowie der Verkehrsflußtheorien über den Straßenentwurf, die ihm zugrunde liegende Fahr- und Fahrzeugdynamik sowie die Fahrerinformation und Beeinflussung bis zum Bau der Straßen reicht. An deren Anfang steht die gesetzliche Absicherung, der Umgang mit dem Boden als Baugrund und Baustoff, die Verwendung geeigneter, nicht unbeschränkt verfügbarer Mineralstoffe, woran sich die technologischen Fragen der Bauweisen des Asphalts und Betons mit den besonderen Eigenschaften und Problemen ihrer Bindemittel anschließen. Nicht vergessen werden dürfen dabei die Belange der Bauwerke, der Umweltverträglichkeit und der Wirtschaftlichkeit sowohl in betrieblicher als auch in volkswirtschaftlicher Sicht, und endlich mündet alles in den sich ständig wandelnden Verkehrsablauf auf unseren Straßen, was Anpassungen und Rückkopplungen im Sinne eines Kreisprozesses erfordert. Die mir gestellte Aufgabe, die ich mir – nebenbei bemerkt – nie selbst ausgewählt hätte, kann bei einer halben Stunde Vortragsdauer offenbar nur darin bestehen, an einigen Beispielen versuchsweise deutlich zu machen, wo künftige Forschungsschwerpunkte erwartet werden dürfen. Sicherlich genügt es nicht, Wissenslücken aufzuzeigen, deren Schließung erwünscht wäre. Eine Wissenslücke rechtfertigt Forschungen, aber wohl noch keinen Forschungsschwerpunkt. Diese Aussage ist aber auch gleichzeitig eine Begründung dafür, daß ein Forschungsprogramm sich nicht nur auf Forschungsschwerpunkte erstrecken darf. Auch Alltagsarbeit muß getan werden, und zunächst ist zweckfreie, wenn auch nicht zwecklose, Grundlagenforschung zu betreiben. Sowohl ein Glacis gesicherten Wissens als auch das Bahnen gangbarer Pfade durch das Gestrüpp des noch Unbekannten sind notwendige Voraussetzungen für künftige Forschungserfolge. |