Bei dem vorgeschlagenen Thema mit dem umfassenden Titel – Erfahrungen mit ungebundenen und gebundenen Tragschichten – ist im Rahmen eines Einzelbeitrages zuerst eine Abgrenzung erforderlich.
Die Bemessung der Tragschichten in Abhängigkeit von der Verkehrsbelastung ist in den vor einem Jahr eingeführten Richtlinien für den Straßenoberbau – Standardausführungen – RStO 75 – geregelt, so daß zuerst von feststehenden geometrischen Dickenmaßen auszugehen ist. Die Weiterentwicklung bzw. Absicherung der Zusammenhänge zwischen der Empirie und den analytischen Rechenverfahren wird in anderen Vorträgen der Straßenbautagung, z. B. über die Versuchsstrecke Hilpoltstein, behandelt. Auch auf die Bauweisen entsprechend den Technischen Vorschriften und Richtlinien für die Ausführung von Bodenverfestigungen und Bodenverbesserungen im Straßenbau – TVV 74 – sowie auf die mit bituminösen Bindemitteln gebundenen Tragschichten können wir im Rahmen dieses Beitrages nicht eingehen. Unser Beitrag wird deshalb neben den ungebundenen Tragschichten nur die mit hydraulischen Bindemitteln gebundenen Tragschichten behandeln (im erweiterten Sinne wird dabei auch auf die selbsterhärtenden Bauweisen Bezug genommen).
Auf diese Bauweisen haben neben der allgemeinen Weiterentwicklung aller Straßenbauverfahren zwei Ereignisse der letzten Jahre besondere Aufmerksamkeit gelenkt:
1. Die Konflikte des Jahres 1973 mit ihren Auswirkungen auf die Preise und Verfügbarkeit der Bindemittel.
2. Die unter Zusammenwirken von hohen Temperaturen und hohen Verkehrslasten bei bestimmten baulichen Voraussetzungen eingetretenen Auswirkungen auf den Gebrauchszustand der Fahrbahnbefestigungen im Jahre 1976.
Zwei weitere Faktoren haben zu einer vermehrten Aktivität in der Forschung und Entwicklung insbesondere auch bei den ungebundenen und hydraulisch gebundenen Tragschichten beigetragen:
3. Immer weiter steigende Verkehrsbelastung durch schwere Fahrzeuge nach Anzahl und Gewicht der Achslastübergänge.
4. Die durch die RStO 75 ermöglichte Anwendung von dünneren Schichten, die damit zu einer erhöhten Beanspruchung des Oberbaues und demnach auch der Tragschichten führt.
Hierzu kommen weitere Einflüsse wie z. B. die Verknappung der Vorräte oder Einschränkungen in der Verfügbarkeit über die vorhandenen Vorräte der Baustoffe, vor allem auch eine Verteuerung dieser Stoffe durch umfangreichere Transporte, wobei sich drei Ausweichmöglichkeiten zeigen:
a) Verwendung von Baustoffen bzw. von Baustoffvorkommen, die wegen ihrer geringeren Qualitätseigenschaften bisher nicht in Betracht kamen. Dies betrifft sowohl den Bereich der Mineralstoffe wie auch der Bindemittel; oft können durch eine Kombination zweier solcher Stoffe gute Gesamtlösungen erzielt werden. Neben der Entwicklung der geeigneten technischen Lösung ist hier gleich wichtig eine genaue Festlegung der Anforderungen bei der Bauausführung, um einwandfreie Verhältnisse bei der Ausschreibung bzw. beim Wettbewerb zu schaffen.
b) Verwendung von Nebenprodukten oder Abfallprodukten der Industrie, z. B. Schlacken, Flugasche.
c) Allgemeine Herabsetzung des Bedarfes an Baustoffen und dadurch auch an Transportvolumen durch bessere Technologie, d. h. bessere Ausnutzung der Materialeigenschaften.
Zahlreiche Forschungsarbeiten, die mit Haushaltsmitteln des Bundesministers für Verkehr finanziert werden, Forschungs- und Entwicklungsarbeiten der Bundesanstalt für Straßenwesen, Entwicklungsarbeiten bei den Straßenbaubehörden sowie Forschungs- und Entwicklungsarbeiten, die von der Baustoff und Bindemittelindustrie sowie den entsprechenden Verbänden durchgeführt werden, befassen sich mit diesen Problemen. Da die Tendenzen in den Nachbarländern ähnlich sind, werden wir in Einzelfällen auch auf die dortige Entwicklung Bezug nehmen. Vor allem darf auf die Vorträge und die Diskussionen anläßlich der Tagung der Arbeitsgruppe Mineralstoffe im Straßenbau am 13. und 14. Mai 1976 in Freiburg [1] sowie auf die Tagung „Ungebundene Tragschichten“ am 12. März 1976 in Bonn [2] verwiesen werden. |