Vorliegender Beitrag besteht aus 3 Teilen: Zuerst werden die allgemeinen Merkmale des Rad- und Mopedverkehrs in den Niederlanden einschließlich der Sicherheitsaspekte erläutert. Dann wird die in den Niederlanden verfolgte Verkehrspolitik zur Verbesserung der Sicherheit von Rad- und Mopedfahrern dargelegt. Im Rahmen dieser Politik werden auch Verkehrseinrichtungen für Radfahrer getestet. Die Ergebnisse einiger dieser Versuche werden im folgenden geschildert. Der letzte Teil enthält die Ergebnisse einer Bewertung der Verkehrssicherheit von Fahrstreifen für Radfahrer und von Radwegen. Innerorts gilt: Die Anlage markierter Fahrstreifen auf der Fahrbahn als Maßnahme zur Erhöhung der Verkehrssicherheit sollte skeptisch untersucht werden. Eigenständige Radwege sind zwar für Radfahrer, nicht aber für Mopedfahrer, sicherer. Radwege müssen vor einer Kreuzung enden. Außerorts gilt: Durch den Bau von Radwegen wird die Verkehrssicherheit erhöht. Die verkehrssicherheitsfördernde Wirkung verschiedener Einrichtungen an Knoten muß noch eingehender untersucht werden.
Die Niederlande sind ein Radfahrerland: 14,5 Millionen Einwohner besitzen insgesamt 11,5 Millionen Fahrräder, d. h., daß fast acht von zehn Holländern ein Fahrrad besitzen (Abbildung 1). Am Anfang der 70er Jahre gab es einen Bestand von 7 Millionen Fahrrädern. Die Zahl der Mopeds (bis zu 50 ccm) beträgt jetzt ungefähr 600 000, 1970 waren es noch fast 2 Millionen. In den letzten Jahren blieb die Zahl der Fahrräder und Mopeds stabil.
Die Holländer legten 1986 insgesamt 158,8 Milliarden Kilometer zurück. Davon 74 % mit dem Pkw, 11 % mit öffentlichen Verkehrsmitteln, 7 % mit dem Rad und über 1 % mit dem Moped.
Am häufigsten werden der Sport und die Freizeitgestaltung (24 %) als Beweggründe für das Radfahren genannt. Danach folgen die Fahrten zur Arbeit (18 %), zur Schule (18 %) und zum Einkaufen (18 %). Anders sieht es bei der Mopednutzung aus: 27 % fahren damit zur Arbeit, 24 % zur Schule und 15 % benutzen es in der Freizeit.
Der holländische Straßenverkehr ist verhältnismäßig sicher, wobei die Rate der tödlichen Unfälle in der Größenordnung von 10 Todesfällen auf 100 000 Einwohnern liegt. Ungefähr 22 % der Verkehrstoten sind Radfahrer und 8 % Mopedfahrer. Diese Prozentsätze sind in den letzten Jahren mehr oder weniger konstant geblieben. Ungefähr 25 % der stationär zu behandelnden Unfallverletzten sind Radfahrer, 20 % Mopedfahrer. Wenn bei den Pkw die Unfallrate (Todesfälle pro Kilometer) 1 beträgt, so ist diese bei Radfahrern 4,5 und bei Mopedfahrern 11. 70 % aller tödlich verunglückten Mopedfahrer befinden sich in der Altersgruppe der 16–24-Jährigen, wogegen es unter den Radfahrern 2 Spitzengruppen gibt: ca. 20 % bei den 10–20-Jährigen und 40 % bei den Älteren (über 65).
Die Niederlande sind ein Land der Fahrradeinrichtungen (Abbildung 2). Auf einer Gesamtstrecke von 97 189 km (befestigter) Straßen gibt es 13 422 km Radwege und 1064 km Fahrstreifen für Radfahrer. Das bedeutet, daß fast 15 % des Wegenetzes für Radfahrer mit entsprechenden Einrichtungen versehen ist, wovon die meisten auch von Mopedfahrern genutzt werden können. Wir unterscheiden zwischen verschiedenen Einrichtungen für Radfahrer:
– Radwege, die von der Straße durch einen Seitenstreifen getrennt sind – Fahrstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn, die nur durch eine Markierungslinie getrennt sind und den gleichen Fahrbahnbelag aufweisen – markierte Radwege, die ihren eigenen Verlauf haben
Die am Straßenrand verlaufenden Einrichtungen für Radfahrer können auf einer oder auf beiden Straßenseiten angebracht werden. Eine häufig in dieser Hinsicht gestellte Frage ist, welche Lösung vom Verkehrssicherheits-Standpunkt aus vorzuziehen ist. Und: Wie wirken sich bestimmte Entwurfsmerkmale auf die Verkehrssicherheit aus?
Mit vorliegendem Beitrag werden diese Fragen auf der Basis niederländischer Studien und Erfahrungen beantwortet. Zunächst wird ein kurzer Überblick über die verkehrspolitischen Ziele im Hinblick auf Radfahrer und Mopedfahrer gegeben. |