FGSV-Nr. FGSV 001/12
Ort Berlin
Datum 06.09.1988
Titel Das Verfahren der RAS-W zur wirtschaftlichen Bewertung von Straßenprojekten
Autoren Johannes Frerich
Kategorien International
Einleitung

Die 1986 vorgelegten „Richtlinien für die Anlage von Straßen – Teil: Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen“ (RAS-W) stellen ein Verfahren zur standardisierten Evaluierung von Straßenbauprojekten mittels kardinal quantifizierbarer und monetär bewertbarer Projektwirkungen dar. Durch eine systematische Erfassung von Kosten (Investitionen und laufende Kosten) und Nutzen (Veränderungen der Betriebskosten, der Fahrzeiten, des Unfallgeschehens sowie der Lärm- und Schadstoffbelastungen) geplanter Straßenbaumaßnahmen sollen die RAS-W eine ökonomisch-rationale Entscheidungsfindung über Straßenbauprojekte ermöglichen. Der Bericht erläutert die Grundlagen und Verfahrensweisen der RAS-W, weist auf ihre Anwendungsgebiete und Einsatzgrenzen hin und zeigt die Möglichkeiten eines EDV-gestützten Einsatzes der Richtlinien in der Planungspraxis auf.

Nach § 7,2 BHD und § 6,2 HGrG aus dem Jahre 1969 sind für staatliche Investitionsmaßnahmen von erheblicher finanzwirtschaftlicher Bedeutung Nutzen-Kosten-Untersuchungen durchzuführen. Zur Erfüllung dieses gesetzlichen Auftrages bediente man sich auch und gerade im Rahmen der Verkehrsinfrastrukturpolitik zunächst recht rudimentärer Methoden. Seit Mitte der 70er-Jahre haben sich jedoch entscheidende Veränderungen den verkehrspolitischen Planungsstrategien vollzogen, die zur Entwicklung standardisierter Evaluierungsverfahren als Grundlage umfassender ökonomischer Systemanalysen führten. Den dabei erreichten verkehrsplanerischen Entwicklungsstand spiegeln die 1986 vorgelegten und aufgrund langjähriger gemeinsamer Arbeit von Verkehrsplanungspraktikern und Verkehrswissenschaftlern – Arbeitsausschuß „Wirtschaftlichkeits- Untersuchungen“ (Leiter: Dr.-Ing. Meewes) der Arbeitsgruppe „Verkehrsplanung“ der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen – entstandenen RAS-W wider.

Vor dem Hintergrund heutiger gesellschaftspolitischer Wertvorstellungen und der offensichtlichen Zielkonflikte zwischen den Ansprüchen des Verkehrs, der Wirtschaft, der Raum- und Stadtentwicklung sowie der Umwelt an die Gestaltung des Straßennetzes sollen die RAS-W eine einheitliche ökonomisch-rationale Entscheidungsfindung über Straßenbaumaßnahmen ermöglichen. Die RAS-W dienen der Ermittlung der Bauwürdigkeit und/oder der Feststellung der Dringlichkeit eines Projektes sowie dem Variantenvergleich mittels einer Analyse kardinal quantifizierbarer und monetär bewertbarer Projektwirkungen. Die damit erreichte Optimierung des verkehrsplanerischen Prozesses ist allerdings nach wie vor als unvollständig anzusehen, weil nicht alle gesellschaftspolitischen Ziele vollständig und eindeutig in eine operationale Zielfunktion transformiert werden können und weil die Unvollständigkeit der Zielansprache durch die interne und externe Unvollständigkeit der Entscheidungsgrundlagen verstärkt wird. Daher können die RAS-W politische Entscheidungen über Straßenbauprojekte nicht ersetzen, sondern sollen diese vielmehr so vorbereiten und erleichtern, wie es nach dem gegenwärtigen Stand der Theorie und Praxis, der Verkehrsplanung möglich ist.

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