FGSV-Nr. FGSV 001/12
Ort Berlin
Datum 06.09.1988
Titel Perspektiven der Freizeitmobilität – Arbeitszeitentwicklung und Freizeitverhalten
Autoren Thomas Waschke
Kategorien International
Einleitung

Die vielfach vertretene Hypothese zunehmender Bedeutung der Freizeitmobilität aufgrund abnehmender Arbeitszeiten kann anhand verfügbarer Daten über die Entwicklung der Mobilität sowie der Zeit- und Aktivitätenbudgets der vergangenen zwanzig Jahre für die Bundesrepublik Deutschland verallgemeinert nicht bestätigt werden. Dies gilt auch bei Einbeziehung von Fußwegen und Radfahrten. Die Aktivitätenstruktur erweist sich offensichtlich als derart stabil, daß trotz beobachtbaren Wandels der Zeitstruktur zugunsten vermehrter Freizeit nur geringe Auswirkungen auf die Fahrtzweckstruktur festzustellen sind. Die relative Stabilität der zweckspezifischen Mobilitätsanteile bedeutet nicht, daß absolute Steigerungen der Mobilitätskenngrößen im Rahmen einer allgemeinen Mobilitätszunahme unmöglich sind. Ein relativer Bedeutungszuwachs der Freizeitmobilität erscheint in mittelfristiger Zukunft unwahrscheinlich.

Vor dem Hintergrund eingetretener Arbeitszeitreduzierung in den vergangenen zwei Jahrzehnten und der damit verbundenen Freizeitzunahme vertreten eine Reihe von Fachleuten die Ansicht, daß die Freizeitmobilität an Bedeutung gewonnen habe und möglicherweise der bedeutende Träger des Mobilitätszuwachses sei [1]. Welche Bedeutung hat vermehrte arbeitsfreie Zeit tatsächlich für die Entwicklung der Freizeitmobilität? Im folgenden wird versucht, die aus der Sicht des Autors sich ergebenden Schlußfolgerungen zum Phänomen Freizeitmobilität darzustellen und zu begründen.

Abgesehen von abweichenden Mobilitätsdefinitionen und Abgrenzungsproblemen des Begriffs Freizeit mit seinen gebundenen, für die Lebensführung notwendigen Zeitanteilen und seinen durch ungebundene Tätigkeiten als tatsächliche „Freizeit“ empfundenen Zeiten führt eine eingehende Diskussion zu dem abweichenden Befund, daß die angesprochene Umschichtung von Zeitstrukturen nicht zu einer generellen Bedeutungssteigerung der Freizeitmobilität geführt hat. Auch zukünftig wird sie, ohne daß hier eine zeitlich fixierte Prognose erstellt werden kann, wenig zuungunsten der übrigen Fahrtzwecke an Bedeutung gewinnen. Man kann von einer relativen Konstanz der Aktivitätenfolgen und der entsprechenden Fahrtzweckverteilung ausgehen. In den folgenden Ausführungen wird versucht, mit Hilfe eigener Überlegungen zum Zusammenhang zwischen Aktivitäten- und Zeitstruktur sowie der Mobilitätsstruktur diese Hypothese zu erläutern.

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