| Einleitung |
Über Zustandserfassung und -bewertung findet der interessierte Leser ein umfangreiches Schrifttum. Deswegen ist die Frage erlaubt, warum hier zu diesem Thema vorgetragen werden soll. Der Unterschied besteht darin, daß vor fünf Wochen mit der Zustandserfassung auf Betriebsstrecken der Autobahnen begonnen worden ist; darüber soll hier berichtet werden. Als Einstieg sollen einige Fakten in Erinnerung gerufen werden:
1. Die Vergangenheit war geprägt durch die Anpassung des Autobahnnetzes an die stürmische Entwicklung der Motorisierung. Heute stellen die Bundesautobahnen das Rückgrat des Netzes der Fernstraßen in der Bundesrepublik Deutschland dar; sie sind in hohem Maße Hauptabfuhrstrecken, sowohl im Schwer- als auch im Transitverkehr. Im Durchschnitt haben wir einen DTV von 40.000 Fz auf den westdeutschen Autobahnbetriebsstrecken überschritten. 2. Durch die Fertigstellung wichtiger Autobahnverbindungen in den 60er- und 70er-Jahren steht ein Großteil des Netzes in den nächsten Jahren zur grundhaften Erneuerung an. Die gemeinsam mit den Auftragsverwaltungen unter wissenschaftlicher Anleitung von Prof. Schmuck angestellten Überlegungen unterstreichen den Umfang des künftigen Erhaltungsbedarfs; die Erhöhung der zulässigen Achslasten in zwei Schritten von 10 auf 11,5 t verursacht in den nächsten Jahren zusätzlich aufzuwendende Beträge. 3. Der Verkehrsteilnehmer erwartet einen flüssigen Verkehrsablauf auch im Baustellenbereich. In diesem Punkt sind die Erwartungen in ganz besonderem Maße in den letzten Jahren gestiegen; kurzum, der Bürger ist ungeduldig geworden, denn die länger andauernden Baustellen auf Betriebsstrecken haben die Zahl von 500 inzwischen erreicht.
Der Beitrag der Straßenbautechnik besteht darin, Bauverfahren zu entwickeln, die zum einen zügig abzuwickeln sind und zum anderen möglichst große Intervalle zwischen den einzelnen Maßnahmen erlauben. Dabei ist die Straßenoberfläche im Hinblick auf Verkehrssicherheit, Fahrkomfort, Umweltschonung und Energieeinsparung auszubilden, zu überwachen und zu erhalten. Deshalb stehen die Straßenbauverwaltungen der Länder zusammen mit dem Bund vor der großen aber auch interessanten Aufgabe, Konzepte und Strategien für die Erhaltung unserer wichtigsten Verbindungen im Netz der Bundesfernstraßen zu entwickeln. In verschiedenen Nachbarländern sind dazu eine ganze Reihe von Pavement-Management-Systemen entwickelt worden. Die vor kurzem begonnene Zustandserfassung und -bewertung der Betriebsstrecken der Autobahnen sollen einen Baustein für die auch in der Bundesrepublik notwendigen Überlegungen liefern; diese Arbeiten gewinnen ganz besondere Bedeutung unter dem Aspekt des Nachholbedarfs in den neuen Bundesländern. Über den Stand der Arbeiten in diesem Bereich wird an anderer Stelle berichtet. Insgesamt war es notwendig, nach eingehenden theoretischen Überlegungen nunmehr mit der Erprobung in der Praxis zu beginnen und im ersten Schritt ein zweckmäßiges netzbezogenes Erfassungs- und Bewertungssystem für die Autobahnen zu entwickeln. Maßnahmenbezogene Untersuchungen auf Objektebene – als zweiter Schritt – sind ebenso wichtig und sporadisch bereits angefangen worden. Sie sind jedoch nicht Thema dieses Aufsatzes. |