| Einleitung |
Die Forschungsgesellschaft hat mit dem vor zwei Jahren beschlossenen Schwerpunktprogramm für die Straßenforschung einige besonders aktuelle und dringliche Forschungsaufgaben hervorgehoben. Sie werden im Gemeinsamen Forschungsprogramm des Bundesministers für Verkehr und der Forschungsgesellschaft mit Vorrang berücksichtigt und gefördert. Für den Bereich der Straßenbautechnik ist der Forschungsschwerpunkt „Management der Straßenerhaltung“ derzeit von besonderer Bedeutung. Anlaß dafür sind veränderte Rahmenbedingungen für den Straßenbau, die der Straßenerhaltung in gewisser Hinsicht einen Stellenwert zuweisen und die eine Besinnung auf die beiden Aufgaben des Ingenieurs notwendig machen, nämlich: Bauen und das Gebaute erhalten.
In den vergangenen 25 Jahren stand das „Bauen“ im Vordergrund, die „Erhaltung“ trat demgegenüber zurück. Seit einiger Zeit ist aber das Neubauvolumen stark zurückgegangen. Man mag das bedauern, vielleicht auch für dringend korrekturbedürftig halten. Die in der Vergangenheit getätigten Bauleistungen werden jedoch künftig kaum mehr zu erreichen sein, auch wenn noch mannigfache Ergänzungen erforderlich wären und vor allem Unfallschwerpunkte, Ortsdurchfahrten und Engpässe beseitigt werden müßten. Die Gründe für die Reduzierung von Neubau und Ausbau liegen einerseits in dem, trotz aller noch bestehenden Mängel, erzielten und nicht zu übersehenden relativ hohen Standard unserer Straßennetze, sie liegen andererseits bei der zunehmenden Finanznot der öffentlichen Haushalte. Die zunehmende Bedeutung der Aufgaben in der Erhaltung resultiert wesentlich aber auch aus der Baugeschichte unserer Straßen. Ein Teil unserer Straßen wurde in den vergangenen drei Jahrzehnten neu gebaut oder ausgebaut. Diese Strecken werden Zug um Zug die Grenzen ihrer Nutzungsdauer erreichen und zur Instandsetzung oder Erneuerung anstehen. Die übrigen Straßen – sie machen nicht den geringeren Teil aus – sind „historisch gewachsen“. Sie haben sich von der ursprünglich unbefestigten bzw. wassergebundenen Straße durch meist einfache Maßnahmen, im Rahmen der sogenannten „Staubfreimachung“ oder durch „Zwischenausbaumaßnahmen“ zu ihrer heutigen Aufbausubstanz entwickelt. Diese meist nicht voll frostsicheren Straßen mit einfachen Befestigungen erfordern vielfach einen hohen laufenden Unterhaltungsaufwand. Wirtschaftliche und sicherheitliche Aspekte würden dafür sprechen, diese Straßen Zug um Zug auszubauen oder zumindest durch greifend instandzusetzen, eine Aufgabe, die für die Zukunft eine durchaus gewichtige Dimension hat.
Angesichts des Umfanges der in Ausbau und Erhaltung anstehenden Aufgaben, der aber gleichzeitig vorhandenen und möglicherweise noch zunehmenden finanziellen Restriktionen, wird es erforderlich sein, auch für die Straßenerhaltung neue Akzente zu setzen. Es wird vor allem darum gehen, Entscheidungen über Maßnahmealternativen künftig mehr als bisher aufgrund rationaler Kriterien und weniger aufgrund subjektiver Intuition zu treffen. Zu einer rationalen Entscheidungspraxis gehört neben der üblichen Orientierung an den Zielen „Verbesserung von Verkehrssicherheit und Leistungsfähigkeit“ auch die bewußte Berücksichtigung der Zielbereiche „Umweltverträglichkeit“, „Ressourcenschonung“ und „Wirtschaftlichkeit“. Dabei geht es übrigens nicht nur um den unter diesen Gesichtspunkten optimalen Mitteleinsatz, sondern auch darum, Entscheidungen und Handlungen sowie Mittelanforderungen transparenter und gegenüber Außenstehenden, vor allem gegenüber den politischen Entscheidungsinstanzen, glaubwürdiger darstellbar zu machen, und das heißt auch, aufzuzeigen, welche volkswirtschaftlichen Schäden zu erwarten wären, wenn Mittel nicht in ausreichendem Umfang zur Verfügung gestellt werden.
In der Vortrags- und Diskussionsveranstaltung des heutigen Vormittags soll über diese und andere, mit der „Straßenerhaltung“ zusammenhängenden Themen gesprochen werden. Die Breite der Thematik erlaubt es allerdings nicht, mehr als einige Ausschnitte zu behandeln.
Mit dem Einführungsreferat wird zunächst ein Überblick über Ziele, Inhalte und Bedeutung des im Werden begriffenen „Managementsystems für die Straßenerhaltung“ gegeben werden. Es soll aufgezeigt werden, welche Gedanken und Überlegungen, Forderungen und Folgerungen dem Systemkonzept zugrunde liegen. Nach Vorschlägen, die in den Gremien der Forschungsgesellschaft im Benehmen mit dem Bundesminister für Verkehr und den Straßenverwaltungen der Länder erarbeitet wurden, soll dieses System im Rahmen eines „Leitfadens für das Management der Straßenbefestigungen“ publiziert werden; er soll die wichtigsten Handlungsanleitungen für Planung, Entscheidung und Durchführung von Erhaltungsmaßnahmen enthalten.
Im zweiten Referat wird Herr Ministerialrat Schönberger, Leiter des zuständigen Arbeitsausschusses „Gebrauchszustand der Straßenbefestigungen“, über Probleme beim Erfassen und Bewerten des Straßenzustandes referieren und damit ein Thema ansprechen, das vor allem im Zusammenhang mit Entscheidungen über Art und Zeitpunkt von Erhaltungsmaßnahmen von Bedeutung ist, ein Thema, das aber auch eine wesentliche Voraussetzung für die Dringlichkeitsreihung von Erhaltungsmaßnahmen und für die Ermittlung der mittel- und langfristig nötigen Haushaltsmittel darstellt. In den folgenden Referaten werden die Herren Dipl.-Ing. Schniering und Leitender Baudirektor Schuster über die Erhaltung von Asphalt- bzw. von Betonstraßen sprechen. Sie werden diese Themen aus der Sicht der von ihnen vertretenen und für die Erhaltung zuständigen Arbeitsausschüsse in den Arbeitsgruppen „Asphalt- und Teerstraßen“ sowie „Betonstraßen“ behandeln und in erster Linie auf die dort in Arbeit befindlichen Merkblätter und auf die damit zusammenhängenden Fragen eingehen.
Die Referate dieser Veranstaltung werden zeigen, daß auf dem Gebiet der Straßenerhaltung noch viele Fragen offen sind. Für Forschung und Entwicklung ergeben sich vielfältige Aufgaben, die bald gelöst werden müssen. Es sind Aufgaben, an denen teilweise schon seit Jahren intensiv gearbeitet wird – beispielsweise auf dem Gebiet der auch für die Erhaltung wichtigen Bemessungsverfahren und der mit der Verhaltensprognose von Straßenbefestigungen zusammenhängenden Fragen. Es handelt sich daneben aber auch um bisher kaum bearbeitete Themen, so beispielsweise bei den systemtechnischen Ansätzen für die Entscheidungsoptimierung und für die Bewertung von Straßenzuständen.
Die abschließende Diskussion möge dazu dienen, offengebliebene oder nicht angesprochene Fragen aufzuwerfen, vielleicht auch zu klären, schließlich soll sie auch Anregungen für die weitere Arbeit in den Gremien der Forschungsgesellschaft geben. |