| Einleitung |
Im Namen der Bayerischen Landeshauptstadt und als deren Bürgermeister darf ich Sie sehr herzlich hier in München zum Deutschen Straßenkongreß der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen begrüßen.
Ich weiß zwar nicht, auf welchem der vielen Wege, die nach München führen, und mit welchem Verkehrsmittel Sie zu uns gekommen sind. Ich hoffe jedoch, es war eine angenehme Reise, bestimmt angenehmer als vor 150 Jahren mit einer ungefederten Kutsche auf buckligen und unbefestigten Straßen. Trotz dieser unbequemen Verhältnisse hatten sich die Münchner schon damals dem Fortschritt zugewandt, unter den seinerzeitigen Gesichtspunkten natürlich, und waren eifrige Verkehrsteilnehmer, wie eine Münchner Zeitung um 1835 schrieb. Münchens Ärzten dagegen war das alles aber nicht ganz geheuer. Sie wiesen warnend auf die großen Erschütterungen beim Fahren über das „holprichte“ Pflaster und die damit verbundene Überbeanspruchung der inneren Organe hin. Die „vornehme Welt“ besaß deshalb bald ein ganzes Arsenal an Schutzmitteln gegen die Gefahren dieser Art der Fortbewegung. Da gab es parfümierte und „gut“ schmeckende Stäblein aus Rosenholz, die man wie eine Zigarre vor Antritt der Fahrt fest in den Mund pressen mußte. Sie sollten das Lockerwerden der Zähne verhindern. In reicher Auswahl wurden ferner Kopfwehtabletten, Wärmeflaschen, Fuß- und Sitzkissen und herzberuhigende Tropfen angeboten. Gesichtsschleier für die Damen, übrigens heute noch ein Modebestandteil, sollten ferner die Aufregung beim „Blicken in die vor überschwankende Landschaft“ mildern. Heute können wir dar über sicher nur mehr schmunzeln, denn die Probleme sind inzwischen wohl ganz anders gelagert, obwohl, wie ich glaube, auch heute gewisse fast hysterische Züge, etwa beim Thema Kernkraft und Gesundheit, festzustellen sind.
Nun, meine Damen und Herren, München zum Beispiel, mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern, hat bei einer Länge seines Straßennetzes von 2.174 km mit rd. 530 000 zugelassenen Fahrzeugen – ohne die Fahrzeuge von Bundesbahn und Bundespost – fertigzuwerden.
Rund 300 000 dieser Fahrzeuge werden auch täglich zu einer Fahrt im Stadtgebiet benutzt. Daß sich daraus für die Bürger und die Umwelt Belastungen mit Lärm und Abgasen in nicht unerheblichem Maße ergeben, brauche ich gerade hier nicht darzustellen. Deshalb, Herr Präsident, bin ich Ihnen auch sehr dankbar, daß Sie festgestellt haben, daß es auch Aufgabe dieses Kongresses ist, an die Industrie heranzutreten, um vor allem das Fahrzeug etwas weniger lärmstark zu machen.
Priorität gewinnt bei uns bei einem gezielten Ausbau des öffentlichen Nahverkehrssystems und, wie wir glauben, in einem doch ausgewogenen Verhältnis, die Ausdehnung des U-Bahn-Streckennetzes von derzeit 35 km mit rd. 600 000 Benutzern auf 90 km im Jahre 1995. Wir sind der Meinung, daß dieser Ausbau doch auch eine Verbesserung der Lebensqualität mit sich bringen wird, besonders für die im Stadtzentrum und an Hauptverkehrsstraßen wohnenden Bürger, denn alle Hauptverkehrsstraßen, meine Damen und Herren, kann man ja leider schon aus finanziellen Gründen nicht „einhausen“. Bei dem hohen Fahrzeugbestand in München ergeben sich selbstverständlich auch Parkplatzprobleme. Vor allem in der Innenstadt und den Innenstadtrandgebieten haben wir eine Parkplatznot. Daß Ursache dafür mangelnde Anzahl von Garagen und stadtteilfremde Autofahrer sind, die tagsüber arbeiten usw., brauche ich gerade vor diesem Kreis nicht darzustellen. Wir haben deshalb versuchsweise im Stadtteil Lehel ein Parklizenzierungssystem eingeführt, wobei jeder Stadtteilbewohner mit Auto ein sogenanntes „Parkwapperl“ erhalten hat. Wie das endgültig auslaufen wird, sollte man der Erfahrung überlassen, und wir werden deshalb, bevor etwa weitere Zonen ausgewiesen werden, erst einmal Langzeiterfahrungen zu sammeln haben. Auf der anderen Seite haben wir eine Entscheidung getroffen, die sicher alle Autofahrer begünstigt, nämlich, daß bis 1986 alle 4.600 Parkuhren abgeschafft werden sollen und die Autofahrer dafür zur Benutzung von Parkscheiben verpflichtet werden. Das ist ein Appell an die Eigenverantwortung, also etwas, was wir in unserem Staate doch wieder alle ein bißchen mehr als bisher pflegen sollten.
185 dieser „Zehnerlgräber“ sind bisher bereits demontiert. Diese Parkuhren waren sowieso angesichts vielleicht der schlechten Zahlungsmoral, ob jetzt von den Münchnern oder den Besuchern sei dahingestellt, dem Kleingeldmangel oder ganz einfach der Vergeßlichkeit der Benutzer nicht mehr rentabel. Und wenn man bereits im Jahre 1981 ein kleines Minus von DM 8.600,- hatte, kann man sich vorstellen, wie das etwa im Jahre 1985 oder 1986 aussehen würde. Nun, um dieses kleine Defizit etwa durch Energieeinsparungen auszugleichen, hätte man, was eine Stadt ja schon gemacht hat, überlegen können, ob man die gesamte Straßenbeleuchtung zwischen 2.00 und 4.00 Uhr nachts abschaltet. Aber ich glaube, die Gefahr vermehrter Straftaten und Verkehrsunfälle ist dafür zu groß, auch wenn eine Kölner Zeitung 1819 schon mal geschrieben hat: „Jede Straßenbeleuchtung ist verwerflich. Sie macht den Trinker sicher und kuppelt verliebte Paare.“ Nun ist das eine Erfahrung, die man nicht nur in Köln, sondern sicher auch in München gemacht hätte, aber dennoch haben wir solche Vorwürfe für die Sicherheit unserer Bürger, natürlich auch unserer Gäste, sehr gern in Kauf genommen.
Ich habe nur ganz kurz ein paar innerstädtische Probleme angesprochen. Aber für München ist es natürlich genauso wichtig, daß diese Stadt sehr gute Fernverbindungen, sehr gute Autobahnanschlüsse hat. Ich glaube, das Thema Autobahnring ist so wichtig, daß man zumindest mit einem Satz erwähnen muß, daß wir uns bei der weiteren Schließung dieses unvollendeten Ringes auch eine Verbesserung der Lebensqualität, vor allem im Westen der Stadt, versprechen.
Nachdem dieser Kongreß nun neue Impulse im Verkehrsbereich geben soll und mit neuen Perspektiven aufwarten will, Wege in die Zukunft zeigen soll, können Sie versichert sein, daß die Landeshauptstadt München ein hohes Maß an Erwartungen gerade an die Ergebnisse dieses Kongresses stellt und daß wir gespannt sind, was am Ende dieses Kongresses alles an neuen Erkenntnissen auf uns zukommt. Bis jetzt haben wir ja auch schon vom äußeren Rahmen dafür gesorgt, daß man es eher bei einem bedeckten Himmel in einem Kongreßsaal aushalten kann als bei Sonnenschein, das haben wir also berücksichtigt und deshalb bitte ich um Nachsicht, wenn ich das besonders anspreche, wir wissen ja, wie wichtig sowas auch für eine gute Kongreßatmosphäre ist.
Ich darf mich zum Schluß an Sie mit der Hoffnung wenden, daß, wie schon gesagt, dieser Kongreß uns viele neue und weiterführende Erkenntnisse bringt und mir bleibt über, Ihnen zum Schluß einen angenehmen Aufenthalt in dieser Stadt zu wünschen. Diesem Kongreß also allen Erfolg! |