| Einleitung |
Wir sind seit Wochen, Monaten und Jahren Zeuge einer zunehmenden Verunsicherung von Bevölkerung und Politikern, wenn es um den Bau neuer Straßen bzw. um den verkehrsgerechten Ausbau vorhandener Straßen geht. Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz haben in jüngster Zeit einen zwar anzuerkennenden, manchesmal aber auch im Verhältnis zu wichtigen stadt-, struktur- und verkehrspolitischen Zielvorstellungen unangemessen hohen Stellenwert erhalten. Viele Bürgerinitiativen und manche Politiker leiten aus dem gewachsenen Umweltbewußtsein die Feststellung ab, daß neue Straßen unser Land zerstören, Natur und Landschaft durch den weiteren Straßenbau endgültig zubetoniert oder -asphaltiert werden, mit jeder Straßenbaumaßnahme Lärm und Abgase in bisher verschonte Bereiche einfallen und daher grundsätzlich den Verkehrsfetischisten in den Ämtern, den Ingenieuren und Planern das Handwerk zu legen, jeglicher Straßenbau abzulehnen sei.
Derartig einseitige Vorstellungen und extreme Wandlungen in der Verkehrs- und Straßenbaupolitik nützen niemanden, sondern lassen lediglich das große Unbehagen in der Bevölkerung, das sich in vielfältigen Protesten artikuliert, weiterwachsen.
Es ist noch gar nicht lange her, da wurden die sich um eine bessere städtische Umwelt bemühenden Ingenieuren und Verkehrsplaner vorgeworfen, sie strebten die sogenannte „autogerechte Stadt“ an. Schnell haben die Gegner des Automobils diesen Begriff aufgegriffen. Dabei wissen wir alle, daß sich Verkehrs- und Stadtplaner gemeinsam seit den 50er Jahren ständig bemühen, verkehrs- und menschengerechte Städte zu schaffen. Der Bericht der Sachverständigenkommission über Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse 1963 [1] und der Buchanan-Bericht [2] sind Beispiele für die Wirklichkeit, für Vorstellungen, die auf diese Zielsetzung einer verbesserten, lebenswerten Stadt-Umwelt gerichtet waren und auch weiterhin sind.
Unter diesen Prämissen einer zunehmenden Verunsicherung, einer wachsenden Zwiespältigkeit und teilweise geradezu maßlosen Kritik ist es unumgänglich, sich auf Fakten, wissenschaftlich abgesicherte Prognosen, unanfechtbare Aussagen zu den Folgewirkungen von durchgeführten oder unterlassenen Maßnahmen und auf eventuell verändert gewichtete Bewertungskriterien zu besinnen, die auch dem aktivierten Umweltbewußtsein stärker Rechnung tragen [3].
Schon immer hat der planende Ingenieur seine Vorschläge zum Ausbau der Verkehrsinfrastruktur auf konkrete, quantifizierbare Aussagen bezogen, um dem politischen Willensträger die Entscheidungsfindung zu erleichtern. Bereits 1948 hat Feuchtinger gefordert, die Planung und Bemessung wichtiger Hauptverkehrsstraßen nicht gefühlsmäßig vorzunehmen, sondern verkehrswirtschaftliche Untersuchungen über die Verkehrsquellen und Verkehrsverflechtungen anzustellen und daraus Schätzungen über die voraussichtliche Entwicklung der Verkehrsnachfrage abzuleiten [4].
Auch 30 Jahre nach dieser Aussage verlangt die Prognose zur Entwicklung des Verkehrs zweierlei:
- Eine gründliche Analyse der bisherigen Entwicklung und
- eine gezielte Weiterbearbeitung der Verkehrsplanungstheorie, in der im Rahmen der integrierten Verkehrsplanung die phänomenologische Beschreibung der Wirkung von Strukturelementen auf die Verkehrsnachfrage zu verbessern ist.
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