FGSV-Nr. FGSV 001/7
Ort Hamburg
Datum 11.10.1978
Titel Verkehrskonzepte für eine umweltfreundliche Stadt- und Regionalentwicklung
Autoren P. A. Mäcke
Kategorien Kongress
Einleitung

Wenn wir uns als Verkehrsplaner und Verkehrsingenieure für eine umweltfreundliche und menschenwürdige Stadtentwicklung einsetzen – und wir tun dies, seit Bauingenieure der Menschheit dienen – so können wir mit Fug und Recht verlangen, daß zunächst einmal eine umweltfreundliche menschengerechte Stadt- und Regionalentwicklungskonzeption erarbeitet wird. Manche Städte entwickeln sich noch recht konzeptlos.

Und wir haben zunächst zu definieren, was umweltfreundlich überhaupt bedeutet. In Städten und Regionen kann das Adjektiv nach meinem Verständnis eigentlich nur in Bezug auf Menschen gemeint sein. Die Fauna hat sich bekanntlich in Stadtstraßen seit Jahrhunderten auf Stadttauben, Spatzen, Hunde und Katzen reduziert, Zugtiere sind so gut wie ausgestorben, und evtl. noch vorhandene Rodenten sind zu bekämpfen. In Gärten und Parks wollen wir die sich schnell vermehrenden Kleinlebewesen vom Insekt über die sich zahlreicher denn je einfindenden Singvögel bis zum Eichhörnchen erhalten, fördern, aber auch in Grenzen halten, und in Wäldern der Verdichtungsregion wollen wir reiten und evtl. halbzahmes Wild beobachten. Diese Situation hat sich eingependelt trotz und eventuell sogar wegen des Stadt- und Regionalverkehrs, und keine Verschlechterung von Seiten des Autoverkehrs tritt ein (typische Probleme der Landstraße, z. B. Wildwechsel, behandele ich hier nicht). Auf dem Gebiet der Flora andererseits ist das Stadtklima vorteilhafter geworden denn je, und zwar für viele, auch exotische Pflanzen, sowohl als Solitärgehölze als auch in verkehrsbegleitenden und zäsurenbildenden Grünzügen, so daß auch hier keine Gefahr von Seiten des Stadtverkehrs zu erkennen ist. Für die immer in Diskussionen auftauchenden Salzschäden durch Winterdienst habe ich bislang (obwohl ich in vielen Städten berate) bei den bordsteinführenden Stadtstraßen keine drastischen Schäden entdecken können, und verkehrliche Abgasemissionen werden in unserem relativ luftfeuchten Klima bekanntlich letztlich Pflanzendünger, man denke nur an Stickoxyde. Die Stadtfestigkeit unserer Gehölze steigt sogar in den letzten Jahrzehnten noch ständig an, seit Hausbrand und Industrie nicht mehr so viel pflanzengiftige Rauchgase produzieren (z. B. SO2). Es bleibt somit nur der Bezug zum Menschen übrig, so daß ich erst einmal den Menschen in den Mittelpunkt rücke und unser Wissen über menschengerechte Stadtentwicklungsvorstellungen repetiere, wobei „menschengerecht“ die gesamte ökologische Einbettung des Menschen in den Lebensbereich „Stadt“ umfaßt, also

  1. sozialpsychologische und sozialökonomische Verhältnisse
  2. hygienische Verhältnisse, wozu zunächst Licht und Luft, heute zusätzlich Wasser- und Luftqualität verstanden werden
  3. psychosomatische Verhältnisse, kritisch angefacht durch Sensitivierungen und Steigerungen des Anspruchsniveaus, angefangen bei Einwohnerdichte bis hin zum lästigen Lärm
  4. Freiheitserlebnis
  5. ästhetische Erlebnisse, wozu immer mehr naturhafte Umwelterlebnisse gehören.
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