FGSV-Nr. FGSV 001/29
Ort Bonn
Datum 23.10.2024
Titel Innovative Verkehrsangebote und Mobilitätsdienstleistungen – Ansätze der Bewertung
Autoren Christoph Walther, Conny Louen
Kategorien Kongress
Einleitung

Neue Mobilitätsformen sind ein schillernder Begriff, und sie nehmen in dieser unbestimmten Form in der verkehrswissenschaftlichen Diskussion einen entsprechend großen Raum ein. Der vorliegende Beitrag untersucht, ob diese Angebotsgruppe verkehrspolitische Zielsetzungen im Kontext des Leitbilds einer nachhaltigen Entwicklung von Mobilität und Verkehr unterstützen kann. Hierfür gilt es, zwei Aufgaben zu lösen: die Wirkungen von innovativen Verkehrsangeboten und Mobilitätsdienstleistungen empirisch oder modellgestützt zu ermitteln und diese Wirkungen im Hinblick auf einen positiven Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu bewerten. Es ist dabei festzustellen, dass zu den Wirkweisen und resultierenden Wirkungen einzelner Angebote und Dienstleistungen wie z. B. von E-Scootern oder Fahrradverleihsystemen noch keine gesicherten Erkenntnisse vorliegen. Eine besondere Problematik besteht darin, dass erst durch eine Kombination dieser Dienstleistungen wie z. B. Plattformen für Mobilitätsdienstleistungen, Mobilitätsstationen und enthaltene Angebote ein bewertbares Angebot entsteht. Lässt man die einschlägig bekannten Bewertungsverfahren im Verkehrssektor Revue passieren, so zeigt sich, dass diese Verfahren nicht unmittelbar angewendet werden können, weil zum einen der nun erforderliche Maßstab der Bewertung viel kleinräumiger ist oder neue Nutzenkomponenten wie die Aufenthaltsqualität in Stadträumen in den Vordergrund treten, für die noch keine abgestimmten Messgrößen bzw. Indikatoren existieren. Vor diesem Hintergrund werden bereits identifizierbare Wirkungsrichtungen sowie erste Bewertungsansätze für innovative Verkehrsangebote und Mobilitätsdienstleistungen dargestellt.

Vor allem durch Elektrifizierung, Digitalisierung, Automatisierung sowie neue Marktakteure wird das Mobilitätsangebot ständig verändert und erweitert. Mit neuen Infrastrukturanlagen wie Radschnellverbindungen oder der räumlichen Bündelung von geteilten Verkehrsmitteln an intermodalen Verknüpfungspunkten entsteht ein neues Verkehrsangebot, an das nicht nur in der Verkehrsplanung hohe Erwartungen gestellt werden. Mit Begriffen wie neue Mobilitätsformen oder innovative Mobilitätsangebote werden verschiedene Gruppen von Angeboten und Dienstleistungen zusammengefasst, die von kürzlich hinzugekommenen bis zu schon länger etablierten Angeboten bzw. von digitalen Informationsangeboten bis zu neuen Verkehrsmitteln oder Infrastrukturen reichen und die klassischen Modi (MIV, ÖPNV, NMIV) ergänzen. Eine klare Begriffsdefinition bzw. Abgrenzung der damit gefassten Angebote und Dienstleistungen fehlt bisher. Im Folgenden wird der Begriff innovative Verkehrsangebote und Mobilitätsdienstleistungen verwendet. Darunter werden jene Angebote gefasst, die in den letzten Jahren entwickelt worden sind (bspw. Fahrradverleihsysteme) oder breitere Anwendung gefunden haben (bspw. Carsharing-Angebote). Dabei werden sowohl Infrastrukturen und neue Verkehrsmittel (im Privatbesitz) als auch Dienstleistungen wie Sharing-Angebote, Buchungs- oder Informationsplattformen betrachtet. Inwiefern diese neuen Angebote tatsächlich Lösungen für die veränderten Anforderungen der Verkehrsplanung bieten, wird kontrovers diskutiert. Hierzu zählen u. a. die Verbesserung des Klimaschutzes und der Nachhaltigkeit, Reduktion der Flächenkonkurrenz und an veränderte Nachfragestrukturen angepasste Angebote. Um diese Angebote in Planungsverfahren angemessen einbeziehen zu können, sind Erkenntnisse über ihre Wirkungen und deren Berücksichtigung in Bewertungsverfahren erforderlich.

Mit dem vorliegenden Beitrag soll der aktuelle Wissensstand zu den Wirkungen innovativer Verkehrsangebote und Mobilitätsdienstleistungen, aufbauend auf den Arbeiten des FGSV-Arbeitskreises 1.4.6 „Wirkungsanalyse neuer Mobilitätsformen und Anpassung bestehender Bewertungsverfahren“, aufbereitet und Bewertungsansätze aufgezeigt werden. Dafür wird im Folgenden die aktuelle Studienlage überblicksartig zusammengestellt und es werden grundsätzliche Wirkungsarten abgeleitet. Bereits mögliche und hier vorgestellte Bewertungsansätze für die Berücksichtigung dieser Angebote in der Verkehrsplanung nutzen die Ergebnisse dieser Arbeiten.

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