FGSV-Nr. FGSV 001/28
Ort Dortmund
Datum 05.10.2022
Titel Weiterentwicklung der kommunalen Straßenerhaltung mit der Fortschreibung der E EMI
Autoren Prof. Dr.-Ing. Berthold Best
Kategorien Kongress
Einleitung

Das erste Erscheinen der „Empfehlungen für das Erhaltungsmanagement von Innerortsstraßen“ (E EMI) liegt mittlerweile 20 Jahre zurück, das Erscheinen der ersten Fortschreibung 10 Jahre. Der Arbeitskreis „Erhaltung kommunaler Straßen“ der FGSV beschäftigt sich daher derzeit mit einer weiteren Fortschreibung dieses grundlegenden Regelwerks für die kommunale Straßenerhaltung. In den vergangenen 20 Jahren haben zahlreiche Kommunen Erfahrungen gesammelt und geteilt, die in die Fortschreibung einfließen werden.

Insbesondere die Entwicklungen im Bereich der EDV schaffen heute Möglichkeiten zur Erfassung und Verarbeitung großer Datenmengen, die in den Anfängen der systematischen kommunalen Straßenerhaltung noch undenkbar waren. Auch die Handhabung der EDV-Systeme ist mittlerweile wesentlich einfacher und komfortabler geworden, da sich grafische Anwendungsoberflächen weitgehend durchgesetzt haben. Dies trifft auch auf die visuell-sensitive Zustandserfassung vor Ort zu, die in den Anfängen der E EMI noch auf Papierformularen erfolgte, mittlerweile aber auf mobilen Erfassungsgeräten mit grafischen Oberflächen GPS-gestützt möglich ist.

Für die Anwender der E EMI hat der Arbeitskreis die Reihen K1 (Grundlagen), K2 (Zustandserfassung), K3 (Auswertung) und K4 (Rechnergestützte Erhaltungsplanung) der zugehörigen Arbeitspapiere geschaffen. Mit den Arbeitspapieren wurden die E EMI erläutert und mit Beispielen versehen. Die langjährige Anwendung der Verfahren und Methoden hat dazu geführt, dass die Inhalte der Arbeitspapiere in aktualisierter und fortgeschriebener Form den Stand der Technik widerspiegeln. Deshalb werden mit der jetzt laufenden Fortschreibung der E EMI die Inhalte der Arbeitspapiere in den Regelwerkstext integriert.

Redaktionelle Neuerung ist die Überführung der E EMI in neun in sich abgeschlossene Einzelbände. Thematisch orientieren sich die Bände an der bestehenden E EMI und den Arbeitspapieren. Neu hinzu kommen Bände für die Erfassung und Bewertung der Substanz, um Grundlagen für ein fundiertes Erhaltungsmanagement mit qualifizierten Maßnahmevorschlägen zu schaffen.

Die Fortschreibung nimmt auch die Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte aus dem „Forschungsprogramm Stadtverkehr“ auf. Bisher unberücksichtigt bleiben mangels qualifizierter Forschungsergebnisse die Prognosefunktionen für die Zustandsentwicklung, der Einfluss von Aufgrabungen und die Berücksichtigung von baustellenbedingten zusätzlichen Straßennutzerkosten.

Die redaktionelle Neufassung der E EMI in neun Einzelbände erlaubt nicht nur einen zielgerichteten Zugriff auf aktuell benötigte Informationen, sondern schafft auch eine einfachere Möglichkeit, künftig Fortschreibungen in kürzeren Zeitabständen vorzunehmen.

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1 Stand der kommunalen Straßenerhaltung

1.1 E EMI 2003

Mit der Herausgabe der „Empfehlungen für das Erhaltungsmanagement von Innerortsstraßen“ (E EMI) hat die Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen (FGSV) im Jahre 2003 zum ersten Mal ein Regelwerk für die systematische Straßenerhaltung von kommunalen Straßen herausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt lief die periodisch wiederkehrende Zustandserfassung auf Außerortsstraßen schon über 10 Jahre. Naturgemäß hatten daher die E EMI 2003 viele Anleihen bei den bewährten Praktiken aus dem Außerortsbereich, die ingenieurmäßig auf den kommunalen Bereich übertragen worden waren. Im Vordergrund stand die Schaffung einer praktischen, leicht handhabbaren Empfehlung, die den kommunalen Verwaltungen einen Leitfaden für die Systematisierung der Straßenerhaltung dienen sollte. Dabei sollte berücksichtigt werden, dass vielfach kommunale Bauverwaltungen mit einem sehr breiten Aufgabenspektrum betraut sind, die eine Spezialisierung im Straßenerhaltungsmanagement selten zulassen. Außerdem beschritt man mit der systematischen Zustandserfassung und Zustandsbewertung in den meisten Kommunen Neuland.

Die Autoren der E EMI 2003 waren sich bewusst, dass aus der reinen Anwendung der E EMI heraus der Aufbau eines funktionierenden Erhaltungsmanagementsystems nicht möglich sein konnte. Daher entstanden neben den Empfehlungen selbst zahlreiche Arbeitspapiere, die den Regelwerkstext ergänzten und mit Beispielen füllten. Von Anfang an war ein modularer Aufbau der E EMI vorgesehen, um die Schwelle für den Einstieg in eine Systematisierung der Straßenerhaltung möglichst niedrig zu halten. So erlaubten die E EMI, zunächst mit sehr wenigen Straßendaten eine regelwerkskonforme Zustandserfassung durchzuführen, den Zustand zu bewerten und zu visualisieren. Dieses erste Ergebnis sollte die Bauverwaltungen in die Lage versetzen, den Entscheidungsträgern der politischen Ebene den Zustand des eigenen Straßennetzes zu veranschaulichen und den Erhaltungsbedarf zunächst qualitativ darzustellen. Mit einer Erweiterung der Zustandsdaten war es auch möglich, über die Befestigungsart mögliche Maßnahmenvarianten aufzuzeigen, finanzielle Erhaltungsbedarfe abzuschätzen und aus diesen Ergebnissen erste Budgetplanungen und den Gesamterhaltungsbedarf eines Netzes zu errechnen. Entgegen der Einschätzung mancher E EMI-Anwender handelte es sich hierbei aber noch nicht um ein Erhaltungsmanagementsystem.

Der dauernde Kontakt mit Anwendern der E EMI 2003 eröffnete dem Arbeitskreis die Möglichkeit, Erfahrungen und Wünsche aus der Praxis der Straßenerhaltung aufzunehmen und für eine Fortschreibung aufzuarbeiten. So entstanden zunächst die Arbeitspapiere der Reihe K1 mit den Grundlagen zur Umsetzung der E EMI. Der Schwerpunkt dieser Arbeitspapiere war datenorientiert, da zum Zeitpunkt der Herausgabe der E EMI 2003 die Nutzung der EDV zur Verwaltung von Straßendaten auch in Kommunen zwar bereits möglich, allerdings noch nicht sehr weit verbreitet war. Zu jener Zeit hatten nicht einmal alle Kommunen einen genauen Überblick über die Netzlänge der von ihr verwalteten Straßen. Es war daher vonnöten, Handreichungen für Erhebung, Speicherung und Verarbeitung von Daten einschließlich ihrer Modellierung herauszugeben.

Im nächsten Schritt entstanden Arbeitspapiere zur Zustandserfassung und Zustandsbewertung. Diese waren sehr stark an die Verfahren im Außerortsbereich angelehnt. Insbesondere traf dies für die messtechnische Zustandserfassung zu. Diese Art der Erfassung war seinerzeit kaum auf kommunale Belange abgestimmt, sondern wurde in erster Linie mit Messfahrzeugen der Erfassung von Bundesfernstraßen durchgeführt. Auch die Zustandsbewertung wurde mit einigen Anpassungen aus dem Außerortsbereich übernommen.

1.2 E EMI 2012

Die E EMI 2003 haben schnell zu einer weiten Verbreitung der Methoden zur Systematisierung der Straßenerhaltung in den Kommunen beigetragen. Unmittelbar nachdem für die praktische Umsetzung die meisten Arbeitspapiere vorhanden waren, wurden die Vorarbeiten für die erste Fortschreibung getroffen. Neben der umfangreichen Erfahrungssammlung der Anwender wurden auch entsprechende Forschungsprojekte aufbereitet und deren Ergebnisse für die Fortschreibung übernommen, so zum Beispiel das FE 77.482/2006 „Daten und Methoden für ein systematisches Erhaltungsmanagement innerörtlicher Straßen“. Innerhalb der neun Jahre bis zum Erscheinen der Fortschreibung als E EMI 2012 hatte sich insbesondere die EDV stürmisch weiterentwickelt. 2012 war es nicht mehr die Frage, ob kommunale Straßennetze in digitalisierter Form vorliegen, sondern nur, in welchem System und in welchem Grad der Visualisierung eine Nutzung der Straßendaten möglich ist. Viele Kommunen hatten den Schritt von einer reinen Zustandserfassung und -bewertung hin zu einem Erhaltungsmanagementsystem gemacht. Wichtig war es daher, in der Fortschreibung einen Unterschied zwischen einem operativen und einem strategischen Erhaltungsmanagement zu machen. Weg von einer reinen objektbezogenen Betrachtung war vielfach der Wunsch nach einem netzweiten Erhaltungsmanagement geäußert worden, in dem auch Budget- und Zustandsszenarien gerechnet werden können. Dazu war natürlich eine wesentlich größere Tiefe des Datenbestandes erforderlich.

Die zur E EMI gehörigen Arbeitspapiere wurden für die Fortschreibung zum Teil grundlegend überarbeitet bzw. weiter ergänzt. Auch hier erfolgte in Anlehnung an die Außerortsarbeitspapiere die Herausgabe der Reihe K3 „Rechnergestützte Erhaltungsplanung“. Auch dadurch zeigte sich die weiter zunehmende Tendenz zur EDV in der Straßenerhaltung.

Tabelle 1: Titel und Stand der Arbeitspapiere der Reihe 9/K

Zu einer weiteren Verbreitung der Methoden der systematischen Straßenerhaltung trug die grundlegende Reform der kommunalen Haushaltsführung bei. Mit der sogenannten „DoppiK“, der „doppelten Buchführung in Konten“ oder dem NKF, dem „neuen kommunalen Finanzwesen“ sollten die Kommunen die Methoden der kaufmännischen Buchführung anwenden. Dazu war zunächst einmal die Erfassung des Vermögens aller Kommunen erforderlich. Durch die Fortschritte in der EDV konnten die Kommunen für die Vermögensbewertung ihren Straßenbestand flächenmäßig verhältnismäßig einfach abrufen. Zur Vermögensbewertung gehörte jedoch eine Berücksichtigung des aktuellen Zustandes der Straßen. So wurde zur Einführung der kaufmännischen Buchführung eine Zustandserfassung und -bewertung erforderlich.

Viele Kommunen nutzten diese Möglichkeit, ihre Straßenerhaltung weiter zu systematisieren und hier erstmals eine Zustandserfassung durchzuführen. Mit Blick auf die für die weitere Buchführung erforderlichen Folgeinventuren haben es die Kommunen überwiegend nicht bei einer Ersterfassung belassen, sondern dies als Einstieg in die systematische Straßenerhaltung benutzt und ihre Erhaltungsstrategie stetig weiterentwickelt. So können die für die ordnungsgemäße Buchführung erforderlichen Folgeinventuren zur Fortschreibung des Anlagevermögens ebenso für Zwecke des Managements der Straßenerhaltung Verwendung finden.

Bild 1: Einführung von NKF in Deutschland (*außer in den Bundesländern Bayern, Schleswig-Holstein und Thüringen)

2 Weiterentwicklung der kommunalen Straßenerhaltung

Neben der Weiterentwicklung der Methoden zur Datenverwaltung und Datennutzung entwickelten sich auch die Methoden zur Zustandserfassung weiter. Dazu gehörten auf der Seite der messtechnischen Zustandserfassung Erfassungsfahrzeuge, die von der Größe her kommunalen Straßen angepasst wurden, von der Technik her aber weiterhin die von kommunalen Auftraggebern überwiegend geforderte zeitbefristete Betriebszulassung der Bundesanstalt für Straßenwesen besaßen. Darüber hinaus wurde die Messtechnik auch mit speziell entwickelten Fahrzeugen für die Erfassung des Zustandes von Nebenflächen, insbesondere Radwegen, weiterverbreitet.

Vielfach kam in Kommunen die visuell-sensitive Zustandserfassung zum Einsatz. Durchgesetzt hatten sich elektronische Datenerfassungsgeräte, die dem Erfasser auf einer grafischen Oberfläche über Menüauswahlen die einfache und meist GPS-referenzierte Eingabe der festgestellten Zustandsmerkmale und deren Ausprägung ermöglichte. Für die Erfassung von Nebenflächen und von Straßen untergeordneter Bedeutung wie zum Beispiel Wohnstraßen und Wohnwegen spielte diese Erfassungsmethode ihre Vorteile der Flexibilität und Zugänglichkeit von Flächen, die von der Fahrbahn aus nicht sichtbar waren, aus. Das Regelwerk für die Zustandserfassung und -bewertung stellte die Vergleichbarkeit zwischen den Ergebnissen der visuell-sensitiven und der messtechnischen Zustandserfassung sicher.

Als neue Erfassungsart kam die visuell-bildbasierte Zustandserfassung auf den Markt. Diese Erfassungsmethode vereinte die Vorteile der messtechnischen Zustandserfassung mit denen der Bildauswertung, die gleichzeitig mit der Zustandserfassung auch die (Nach-)Erfassung von Bestandsdaten ermöglichte. Diese Erfassungsart ist derzeit weder von den E EMI 2012 noch von den existierenden zugehörigen Arbeitspapieren abgedeckt.

Für Erhaltungsmaßnahmen wurden von anderen Gremien innerhalb der FGSV Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien bzw. Merkblätter erarbeitet, unter anderem für die bauliche Erhaltung von Verkehrsflächen aus Asphalt, aus Beton und mit Pflaster- und Plattendecken einschließlich der zugehörigen Randeinfassungen. Für die zielgerichtete Auswahl von Maßnahmevorschlägen innerhalb des Managements der Straßenerhaltung ist die Berücksichtigung dieses Regelwerks zwingend erforderlich. Das bedeutet, dass Anbieter von EDV-technischen Lösungen für Erhaltungsmanagementsysteme ihre Algorithmen so anpassen müssen, dass diese regelkonforme Maßnahmevorschläge und daraus resultierend Maßnahmekosten generieren.

Die in der Tabelle 1 aufgeführten Arbeitspapiere zur E EMI sind sieben Jahre und länger in der praxisorientierten Anwendung. Die darin beschriebenen Verfahrensweisen sind vielfach erprobt und teilweise auch weiterentwickelt worden. Der Charakter eines Arbeitspapiers, einen Zwischenstand bei der Erarbeitung von weitergehenden Aktivitäten widerzuspiegeln, Informationen zu transportieren oder Arbeitshilfen zu geben, ist für den Inhalt der Arbeitspapiere zur E EMI seit langem nicht mehr zutreffend. Vielmehr stellen sie mittlerweile den Stand der Technik in der systematischen Straßenerhaltung in Kommunen dar. Daher wird ihr Inhalt bei der Neubearbeitung der E EMI in den Regelwerkstext eingearbeitet. Über die Erarbeitung weiterer Arbeitspapiere für die kommunale Straßenerhaltung, die Kenntnisse und Verfahren beinhalten, die noch nicht Stand der Technik sind, ist noch nicht entschieden.

3 Neukonzeption der Fortschreibung der E EMI

Die im Abschnitt 2 beschriebenen wesentlichen Weiterentwicklungen der kommunalen Straßenerhaltung machen die komplette Überarbeitung der E EMI notwendig. Insbesondere der dort beschriebene Aspekt, dass der Inhalt der zu den E EMI herausgegebenen Arbeitspapieren mittlerweile Stand der Technik ist und in das Regelwerk eingearbeitet werden soll, führt zu einer nicht nur inhaltlichen, sondern auch redaktionellen Neugestaltung.

Die bewährte Gliederung nach den Arbeitspapieren wird nunmehr vom Regelwerk selbst aufgenommen. Es wird also zukünftig nicht mehr Empfehlungen und dazugehörige Arbeitspapiere geben, sondern einzelne Bände, die jeder für sich R-2-Regelwerkscharakter haben. Redaktionell lehnen sich diese neuen Bände der E EMI beispielsweise an die Technischen Prüfvorschriften für Gestein an, die ebenfalls aus mehreren Einzelbänden bestehen, die in einem Ordner zusammengefasst sind. Die einzelnen Bände sind in sich abgeschlossen.

Tabelle 2: Neugliederung der E EMI

Band-Nr.

Titel

1

Grundlagen des Erhaltungsmanagements

2

Daten für das systematische Infrastrukturmanagement

3

Zustandserfassung der Oberfläche

4

Zustandsbewertung der Oberfläche

5

Zustandserfassung der Substanz

6

Zustandsbewertung der Substanz

7

Erhaltungsmanagementsystem

8

Ausschreibung und Qualitätssicherung

9

Begriffsbestimmungen

Mit Band 1 werden im Wesentlichen die bestehenden Inhalte der E EMI 2003 aufgenommen, aktualisiert und erweitert. Dieser Band verschafft einen kompakten Überblick über die systematische Straßenerhaltung in Kommunen.

Wie im vorhergehenden Abschnitt beschrieben, ist mit dem visuell-bildbasierten Verfahren eine neue Erfassungsmethode geschaffen worden. Nicht nur dadurch haben sich seit der Herausgabe der Arbeitspapiere K1.2, K1.3 und K1.4 die Anforderungen an Bestands- und Zustandsdaten gravierend verändert. Im Band 2 werden daher Hinweise für verschiedene Möglichkeiten der Netzbeschreibung, der Weiterverarbeitung von gleichzeitig erfassten Bestands- und Zustandsdaten sowie der Integration weiterer Datenarten gegeben.

Mit den Bänden 3 und 4 werden die derzeit verbreiteten Methoden der Zustandserfassung (messtechnisch, visuell-sensitiv und visuell-bildbasiert) abgebildet und die Bewertung der Zustandsmerkmale festgelegt. Im Bereich der Zustandsbewertung nimmt Band 4 die gefestigten Verfahrensweisen aus den Arbeitspapieren der Reihe K3, Auswertung, auf.

Für ein funktionierendes Erhaltungsmanagementsystem ist die Berücksichtigung der Substanz unabdingbar. Verschiedene Kommunen haben bereits Zustandserfassungen der Substanz vorgenommen. Dabei sind unterschiedliche Erfassungsverfahren eingesetzt worden. Mit diesen zerstörungsfreien Verfahren konnten auch bei dem kommunal sehr inhomogenen Schichtenaufbau und Untergrund bzw. Unterbau verwertbare Ergebnisse erzielt werden. Inhaltlich wird dies in den Bänden 5 und 6 umgesetzt, die in dieser Form bisher noch nicht existierten.

Mit dem Band 7, Erhaltungsmanagementsystem (EMS), werden die der Zustandserfassung und -bewertung nachfolgenden Prozessschritte ausführlich beschrieben. In der Weiterentwicklung des AP 4.1 wird bei den Ebenen der Erhaltungsplanung die Taktische Ebene eingeführt. Dies erfolgt in Übereinstimmung mit den ebenfalls gerade in Überarbeitung befindlichen „Richtlinien für die Planung von Erhaltungsmaßnahmen an Straßen“ (RPE-Stra), die diese Ebene auch aufnehmen werden.

Bild 2: Ebenen der Erhaltungsplanung

Weiterhin erfolgen Anpassungen an die heute bereits üblichen Entscheidungsstrategien im Erhaltungsmanagement, die auch von bereits auf dem Markt erhältlichen EMS-Programmen abgebildet werden.

Im Rahmen des immer weiter voranschreitenden Personalabbaus in den Bauverwaltungen erfolgt mittlerweile grundsätzlich eine Ausschreibung der Zustandserfassungen und -bewertungen, im Einzelfall auch die Aufstellung von Erhaltungsprogrammen und die Berechnung verschiedener Szenarien. Mit dem Band 8 werden die entsprechenden Hinweise zur Aufstellung der Ausschreibungsunterlagen gegeben. Weiterhin enthält Band 8 Möglichkeiten zur Qualitätssicherung, wenn Leistungen von Dritten für die Bauverwaltung erbracht werden.

Im Band 9 erfolgt eine Zusammenfassung aller Begriffsbestimmungen, die in den Bänden der fortgeschriebenen E EMI verwendet werden und nicht an anderer Stelle im Regelwerk der FGSV definiert sind.

4 Kommunale Straßenbauforschung

In die derzeit in Überarbeitung befindlichen E EMI gehen die Ergebnisse verschiedener Forschungsprojekte, vornehmlich aus dem „Forschungsprogramm Stadtverkehr“, ein. Der Forschungsbedarf wird vom Arbeitskreis fortlaufend formuliert und mit den entsprechenden Vorschlägen in die Forschungsprogramme eingebracht. Im Bereich des Forschungsprogramms Stadtverkehr konkurrieren die Vorschläge jedoch mit sehr vielen anderen, sodass eine Platzierung eines Forschungsprojekts nur in größeren zeitlichen Abständen erfolgen kann. Dies wird dem vom Arbeitskreis gesehenen Forschungsbedarf nicht vollständig gerecht.

In die Fortschreibung gehen insbesondere die Ergebnisse des FE 77.0510/2017, „Generelle Methodik zur Abschnittsbildung bei der Erhaltung kommunaler Straßen“, ein, das im Jahre 2022 abgeschlossen werden konnte.

Wünschenswert, aber nicht umsetzbar war ein Forschungsvorhaben zur weiteren Untersuchung der Entwicklung von Prognosefunktionen für den Straßenzustand kommunaler Straßen. Auf diesem Gebiet besteht weiterhin eine Unsicherheit hinsichtlich der Zustandsentwicklung von Innerortsstraßen. Prognosefunktionen, die für den Außerortsbereich vorliegen, können nur mit sehr starken Einschränkungen oder überhaupt nicht für den Innerortsbereich übernommen werden. Dies ist darin begründet, dass Innerortsstraßen in jeder Hinsicht inhomogener aufgebaut sind und sich auch die äußeren Einflussfaktoren wie zum Beispiel die Verkehrsbelastung über einen Streckenabschnitt betrachtet schneller ändern als außerorts.

Bild 3: Verschlechterung der Straßensubstanz durch Aufgrabungen (Foto: Best)

Weiterhin unzureichend untersucht ist der Einfluss von Aufgrabungen auf die Straßensubstanz. Kommunale Straßenbaulastträger wollen vielfach von den Veranlassern von Aufgrabungen eine finanzielle Kompensation für die Verschlechterung der Straßensubstanz verlangen. Kommunen, die dies bereits erfolgreich praktizieren, können sich nur auf individuell angefertigte Gutachten stützen, da es keine allgemeingültigen Festlegungen im Regelwerk gibt. Der Auffassung von Konzessionären, Aufgrabungen seien mit den Konzessionsabgaben abgegolten, ist entschieden entgegenzutreten. Die Verschlechterung der Substanz und damit die häufigere Durchführung von Erhaltungsmaßnahmen in aufgegrabenen Straßenabschnitten ist von der Konzessionsabgabe nicht abgedeckt, wie das erfolgreiche Erheben von Gebühren durch verschiedene Kommunen zeigt.

Im Rahmen einer volkswirtschaftlichen Betrachtung von Erhaltungsmaßnahmen kommunaler Straßen ist auch die Berücksichtigung der baustellenbedingten zusätzlichen Straßennutzerkosten erforderlich. Auch diese sind im Außerortsbereich verfügbar, allerdings in keinem Falle auf kommunale Verhältnisse übertragbar. Hier besteht ebenfalls weiterhin Forschungsbedarf.

5 Fazit

Seit der Herausgabe der E EMI 2012 haben die Anwender dieses Regelwerks für die systematische Straßenerhaltung in Kommunen mannigfaltige Erfahrungen gemacht, die die Bearbeitung einer Fortschreibung erforderlich machen. Gravierende Veränderungen im Bereich der EDV, die Möglichkeiten zur Verarbeitung sehr großer Datenmengen und die Verbreitung grafischer Oberflächen zur Eingabe und Visualisierung von Daten setzen einen Schwerpunkt der Fortschreibung auf das Datenmanagement in der Erhaltungsplanung. Neu entwickelte Möglichkeiten zur Zustandserfassung, namentlich die visuell-bildbasierte Erfassung, erlauben die gleichzeitige Erfassung von Bestands- und Zustandsdaten und machen deshalb hier die Aufnahme in das Regelwerk der FGSV erforderlich.

Für ein funktionierendes kommunales Erhaltungsmanagement ist die Berücksichtigung der Straßensubstanz erforderlich. Auch hier gibt es mittlerweile Verfahren der zerstörungsfreien Erfassung, die die künftige Berücksichtigung der Substanz in Erhaltungsmanagementsystemen ermöglichen. Für den Aufbau und den Betrieb von Erhaltungsmanagementsystemen wird die Fortschreibung der E EMI ebenfalls den aktuellen Stand der Technik und eine Harmonisierung mit dem übrigen Regelwerk der FGSV enthalten.

Die redaktionelle Neufassung der E EMI in 9 Einzelbände erlaubt dem Nutzer den zielgerichteten Zugriff auf die aktuell benötigten Informationen. Weiterhin schafft diese Form eine einfachere Möglichkeit, künftig Fortschreibungen in kürzeren Zeitabständen vorzunehmen.

Literaturverzeichnis

  1. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen: Arbeitspapiere zur Systematik der Straßenerhaltung, Reihe K: Kommunale Straßen, Ausgabe 2018, Köln (FGSV 490 AP 9/K)
  2. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen: Empfehlungen für das Erhaltungsmanagement von Innerortsstraßen (E EMI), Ausgabe 2012, Köln (FGSV 487)
  3. Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen: Richtlinien für die Planung von Erhaltungsmaßnahmen an Straßenbefestigungen (RPE-Stra 01), Ausgabe 2001, Köln (FGSV 488)