FGSV-Nr. FGSV 001/15
Ort Karlsruhe
Datum 19.10.1994
Titel Verkehr vermeiden und verlagern – Verlagerungspotentiale im motorisierten Individualverkehr
Autoren Jörg Schönharting
Kategorien Kongress
Einleitung

Vor dem Hintergrund wachsender Straßenverkehrsbelastungen und von den damit verbundenen Umwelt-, aber auch Erreichbarkeits- und Zugänglichkeitsproblemen wurden im politischen Raum die Begriffe „Vermeidung“, „Verlagerung“, „Lenkung“ geprägt. Sie sind auf den Pkw-Verkehr, also den motorisierten individuellen Personenverkehr, und auf den Straßengüterverkehr ausgerichtet.
In jüngster Zeit wuchs die Erkenntnis, daß der Anstieg des motorisierten Individualverkehrs nur mit dem gebündelten Einsatz von Strategien und Maßnahmen aus den Bereichen der Siedlungsstruktur- und Umweltplanung, der baulichen und betrieblichen Verkehrsinfrastruktur und der Preis-, Tarif- und Ordnungspolitik, die alle dem gleichen Ziel der Verkehrsvermeidung, der Verkehrsverlagerung und der Verkehrslenkung dienen, gedämpft werden kann. Dabei muß allerdings kritisch hinterfragt werden, was Planung in der Vergangenheit bewirkt hat. Am Beispiel der Siedlungsstrukturentwicklung, die sich entgegen regionalpolitischen Vorstellungen einer Verdichtung in den ÖPNV-Achsen weiter in Richtung Suburbanisierung bewegt, wobei gerade die Achsenzwischenräume bevorzugt aufgesiedelt werden mit allen Folgen für Pendlerverkehrsströme und Verkehrsmittelwahl, wird die Beschränkung der Umsetzung von Planung unmittelbar deutlich. Nach wie vor spielen Städtebau und Wirtschaftsförderung in den Ballungskernen mit der Planung verkehrlich in keiner Weise abgestimmter gewerblicher Verdichtungen – z. B. in den Randbereichen der Ballungskerne mit oft guter MIV- und schlechter ÖPNV-Erreichbarkeit – eine umstrittene Rolle. „Vorfahrt für den ÖPNV“ gerät für den Stadtplaner des Ballungskerns und der Region zum Schlagwort ohne Substanz.

Damit muß die Frage diskutiert werden, welcher Erfolg mit den o. g. Strategien und Maßnahmen verbunden sein könnte und ggf. welche Folgemaßnahmen aus Veränderungen im Verhalten der Verkehrsteilnehmer und der Transportwirtschaft erforderlich werden [1].

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