FGSV-Nr. FGSV 001/10
Ort Mannheim
Datum 10.10.1984
Titel Ermittlung des Finanzbedarfs für die Erhaltung des Straßenoberbaues
Autoren Alfred Schmuck
Kategorien Kongress
Einleitung

Die Finanzsituation der öffentlichen Hand zwingt zur sparsamen Verwendung der Mittel. Sie müssen nach möglichst objektiven Gesichtspunkten festgelegt werden. Das gilt, angesichts der hier Jahr für Jahr anfallenden Milliardenbeträge, ganz besonders für die Straßenerhaltung.

In der öffentlichen Diskussion der jüngsten Zeit werden sehr unterschiedliche Auffassungen über die Höhe der für die Straßenerhaltung notwendigen Mittel vertreten. Zweifellos ist der Erhaltungszustand, vor allem unserer Außerortsstraßen, im großen und ganzen recht befriedigend. So wird auf der einen Seite auch immer wieder die Notwendigkeit der von den Straßenverwaltungen veranlaßten Erhaltungsmaßnahmen und auch die Höhe der dafür eingesetzten Mittel in Frage gestellt. Nicht selten ist zu hören, daß des Guten zuviel getan wurde und daß es möglich sein müßte, für einige Zeit ganz oder teilweise auf zumindest großflächige und aufwendige Erhaltungsmaßnahmen zu verzichten. Aber es werden augenblicklich auch gegenteilige Behauptungen, nicht minder grobe, in den Raum gestellt. Ich meine, die gerade in den vergangenen Monaten zunehmend in Mode gekommenen Prophezeiungen, nach denen ohne eine umgehende und drastische Erhöhung der Erhaltungsmittel mit dem baldigen substantiellen Zusammenbruch von Teilen unserer Straßennetze gerechnet werden müsse. Beide Behauptungen sind in der vorgetragenen, meist undifferenzierten Form sicherlich überwiegend unzutreffend und eher schädlich als nützlich. In dieser Situation bedarf es einer nüchternen Situationsanalyse. Dazu gehört neben einer, bisher noch nicht konsequent durchgeführten Zustandsbewertung auch die Abschätzung des Finanzbedarfs auf der Grundlage klarer Zielvorstellungen und möglichst realitätsbezogener Rechnungsansätze.

Der Anlagenteil „Straßenoberbau“ erfordert den größten Anteil an den Erhaltungsaufwendungen; er liegt bei Außerortsstraßen, je nach Straßenkategorie, zwischen 60 und 70 %, bei untergeordneten Straßennetzen und innerorts kann dieser Anteil bis auf etwa 90 % ansteigen. Entsprechend wichtig ist es, gerade für den Anlagenteil „Straßenoberbau“ den Erhaltungsbedarf möglichst realitätsnah zu ermitteln.

Nachfolgend wird ein Überblick über die für die Ermittlung des Finanzbedarfs verfügbaren Verfahren gegeben. Ein Verfahren, das am Lehrstuhl für Verkehrsplanung und Straßenwesen der Universität der Bundeswehr entwickelte „Strategiemodellverfahren“, soll etwas eingehender behandelt werden, weil mit ihm der Finanzbedarf auch unter Berücksichtigung von Zielvorstellungen über die mit der Erhaltung angestrebte Qualität und Wirtschaftlichkeit ermittelt werden kann. Das Verfahren ist vielseitig anwendbar und liefert differenzierte Prognoseergebnisse, die im Hinblick auf ihre Plausibilität gut überprüft werden können. Mit dem Strategiemodellverfahren wurde im Auftrage des Bundesministers für Verkehr der Finanzbedarf für die Erhaltung der Fahrbahnbefestigungen an Bundesfernstraßen für die Jahre 1983 bis 2002 prognostiziert.

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