FGSV-Nr. FGSV 001/15
Ort Karlsruhe
Datum 19.10.1994
Titel Sparpotentiale beim Entwurf, Bau und Betrieb von Straßen
Autoren Walter Durth
Kategorien Kongress
Einleitung

Sparpotentiale im Straßenbau sind aus drei Perspektiven zu sehen, die zweckmäßig mit den ökonomischen Güterdefinitionen des Bildes 1 umschrieben werden.

Bild 1: Drei Sparpotentiale

Nach der Vorstellung aktueller Sparmöglichkeiten im betriebswirtschaftlich-technischen Bereich möchte ich Ihre Aufmerksamkeit auf die fachübergreifenden Potentiale der 2. und 3. Spalte meiner Tabelle lenken. Aus meiner Sicht können die Aufgaben im Straßenwesen in Zukunft nur dann effektiv wahrgenommen werden, wenn wir die ökonomischen, ökologischen und politischen Entscheidungsprozesse analysieren, den in unsere Zuständigkeit und Kompetenz fallenden Anteil ausfüllen und darüber versuchen, weitere Sparmöglichkeiten zu erschließen. Die Baulastträger der Straßen handeln als Bauherren und Anbieter wie Produzenten und Dienstleister privater Güter nach dem Wirtschaftlichkeitsprinzip. Der Rahmen ihrer Entscheidungen wird durch Verwaltungsvorschriften und technische Regelwerke zwar abgesteckt, erlaubt aber große Ermessensspielräume, und diese sind vorwiegend den Ingenieuren Vorbehalten.
Verkehrspolitiker entscheiden über Qualität und Quantität der Straßen als „bereitgestelltes“ öffentliches Gut mittels Haushaltsvorgaben der Parlamente und Regierungen. Heute und in naher Zukunft geht es dabei um die Netzstrukturen und die Einführung neuer Technologien, vor allem aber auch um die Prioritäten, angefangen bei der Wahl der Verkehrsträger bis hin zur Dringlichkeitsreihung der Straßenprojekte.
Umweltpolitiker entscheiden über die Maßnahmen zur Erhaltung der natürlichen Umwelt als „reines“ öffentliches Gut (wie Luft, Wasser, Boden) durch generelle Festlegungen; Umweltfachleute in vielen Einzelfällen des Entwurfs, Baus und Betriebs von Straßen. Während die heutige Technik des Straßenbaus und -betriebs bei Kosteneinsparungen noch recht real behandelt werden kann, gibt es bei technologischen und verkehrspolitischen Fragen große Unsicherheiten, vollends diffus wird die Diskussion im ökologischen Bereich. Dazu fehlt den Entscheidungsprozessen trotz schier unübersehbaren Detailwissens weitgehend eine theoretische Fundierung und praktische Anleitung. Dieser Mangel steht im Gegensatz zur wachsenden volkswirtschaftlichen Bedeutung der Umweltprobleme.

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