FGSV-Nr. FGSV 001/15
Ort Karlsruhe
Datum 19.10.1994
Titel Umweltverträgliche Wiederverwendung pechhaltiger Straßenausbaustoffe
Autoren H. Pätzold
Kategorien Kongress
Einleitung

Im Straßenbau wurde bis etwa zum Jahre 1980 Straßenteer (seit 1983 in DIN 55946 Teil 2: „Straßenpech“) als Bindemittel verwendet. Zum Einsatz kamen Straßenpech, Kaltpechlösungen, Pechemulsionen oder mit Teer/Teeröl verschnittene Bindemittel (z. B. Pechbitumen). Diese enthalten in sehr unterschiedlichen Konzentrationen umweltgefährdende Polycyclische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und Phenole, die ein kanzerogenes Potential aufweisen und daher nicht in Wasser, Boden und Luft eingetragen werden dürfen.
In den fünfziger Jahren wurden in der Bundesrepublik Deutschland jährlich ca. 250 000 t Straßenpech als Bindemittel verwendet. Hauptsächlich auf Grund niedriger Ölpreise wurde in den sechziger Jahren Straßenpech durch Erdölbitumen verdrängt. Seit Mitte der siebziger Jahre sind teerstämmige Bindemittel im Straßenbau mengenmäßig ohne Bedeutung. Erst nach dem Ende des „Pechzeitalters“ im Straßenbau wurden mit fortschreitenden Erkenntnissen in Medizin und Umweltanalytik die gesundheitlichen Risiken, die beim Umgang mit teerstämmigen Produkten auftreten können, voll erkannt.
Neben dem Abfallrecht wurde den Straßenbauverwaltungen in der Verdingungsordnung für Bauleistungen (VOB 1988) die Aufgabe zugewiesen, eine umweltverträgliche Behandlung schadstoffbehafteter Stoffe und Bauteile zu gewährleisten. Bereits vor den Erkenntnissen zur Umweltproblematik teerhaltiger Baustoffe haben die Erfahrungen der letzten 15 Jahre gezeigt, daß aus gebaute Asphalte in den verschiedenen Schichten des Straßenoberbaues aus bautechnischer Sicht in hohem Maße (bis zu 100 %) wiederverwendet werden können.
Im Unterschied zu Abfällen aus Industrie und Wirtschaft (z. B.: Verpackungen), deren Verwertung häufig nur der Beseitigung dient und die dem Zweck ihrer ursprünglichen Produktion in der Regel nicht wieder zugeführt werden, lassen sich ausgebaute Straßenbaustoffe in gleicher technischer Funktion wiederverwenden. Die Akkumulation hochwertiger Stoffe auf einem niedrigeren Niveau („Downcycling“), einer der Problempunkte der Abfallverwertung (siehe „Duales System Deutschland“), wird bei Straßenausbaustoffen weitestgehend vermieden.

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