Die zu erwartende weiter steigende Verkehrsnachfrage – vor allem im Straßenverkehr – einerseits und der nur noch stark eingeschränkt mögliche weitere Ausbau des Straßennetzes andererseits lassen für die nächste Zukunft eine zunehmende Verschlechterung der Verkehrssituation mit Negativwirkungen im Umweltbereich und in der wirtschaftlichen Effizienz des Systems erwarten. Große Hoffnungen auf zumindest eine partielle Kompensation liegen in der Anwendung neuer Informationstechnologien (Telematik-Techniken), die in den letzten Jahren in interdisziplinärer Kooperation (Elektronikindustrie, Fahrzeugindustrie, Verkehrswissenschaft) in überwiegend internationalen Programmen entwickelt wurden. Neben der Verbesserung der Umweltverträglichkeit und der Wirtschaftlichkeit verfolgen verkehrspolitische Strategien selbstverständlich die Erhöhung der Sicherheit, aber auch die Sicherung der Mobilität. Im weitesten Sinn technisch orientierte Strategien und Maßnahmen liegen in den Feldern
– Entwicklung der Siedlungsstruktur – Umbau des Verkehrssystems – Verbesserung der Fahrzeug- und Motortechnik – Kleinräumige Korrekturen des Verkehrssystems – Verkehrssystem-Management unter Nutzung neuer Technologien (Telematik)
Hierbei ist zu beachten, daß die Maßnahmen über sehr unterschiedliche Zeitspannen wirksam werden und daß die Wirkungen nicht monokausal von den Maßnahmen abhängig sind (Bild 1). Entwicklung und Einsatz von Telematik-Techniken müssen die Verflechtung zwischen verschiedenen Strategien und erzielten Wirkungen berücksichtigen.
Bild 1: Strategien und Wirkungen
Die Telematik-Techniken offerieren straßenseitige und fahrzeugseitige Komponenten zur aktuellen Gewinnung, Verarbeitung und Kommunikation verkehrsrelevanter Daten. Damit ist es möglich, im wesentlichen drei Anwendungsfelder einer dynamischen, individuellen Verkehrsbeeinflussung abzudecken:
– Reiseinformation vor Antritt der Fahrt (aktuelle Verkehrszustände/-störungen, Parkmöglichkeiten, Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel einschließlich Park-and-Ride) – Zielführung als Kern eines umfassenden Verkehrsmanagements (Ermittlung von besten Wegen durch ein Netz unter Berücksichtigung der aktuellen Bedingungen; Integration von Lichtsignalsteuerung, Wechselwegweisung und fahrzeuginterner Kommunikation; Kooperation mit dem öffentlichen Verkehr; Unterstützung von Logistik-Aufgaben im Güterverkehr; Beeinflussung der Verkehrsnachfrage durch Road Pricing) – Unterstützung des sicheren Fahrens (Abstands- und Geschwindigkeitshaltung in Abhängigkeit von Straßengeometrie, Witterungsbedingungen und Verkehrssituation)
Das Bild 2 nennt wesentliche mögliche Anwendungen in diesen drei Bereichen sowie ihre Entwicklung – beginnend von konventionellen Leitsystemen – hin zu einem umfassenden integrierten Verkehrsleitsystem.
Bild 2: Entwicklungspfade der Einführung von Telematik-Systemen
Rationale Telematik-Anwendungen verlangen die Erarbeitung von Leitstrategien, die auf eine ebenso zu erarbeitende Systemarchitektur abzustimmen sind. Im folgenden werden Ansätze vorgestellt und diskutiert, die zum einen die dynamische Zielführung (Routenführung) und zum anderen die Abstands- und Geschwindigkeitsbeeinflussung als zentrale Anwendungsfelder neuer Technologien behandeln. |