| Einleitung |
In Abänderung des Ihnen vorliegenden Programmes habe ich die Ehre, in Vertretung des Bundesministers für Verkehr, Herrn Kurt Gscheidle, zu Ihnen anläßlich des Deutschen Straßenkongresses der Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen zu sprechen. Der Bundesminister bedauert es außerordentlich, daß er wegen anderer dringender Termine nicht selbst herkommen konnte, um mit Ihnen zusammen diesen für das Straßen- und Verkehrswesen bedeutsamen Kongreß zu eröffnen und damit persönlich einer schon bereits zur Tradition gewordenen Verpflichtung nachzukommen. Er bittet Sie aber um Ihr Verständnis, um Ihre Nachsicht, und hat mich ausdrücklich gebeten, Ihnen seine besten Grüße zu bestellen und der Veranstaltung einen erfolgreichen Verlauf zu wünschen.
Für mich ist es allerdings keine einfache Aufgabe, zum jetzigen Zeitpunkt, d. h. kurz vor der Regierungserklärung anläßlich der beginnenden 9. Legislaturperiode ins Einzelne gehende verkehrspolitische Aussagen zu machen. Trotzdem werde ich mich bemühen, unter Beachtung eben dieser besonderen Gegebenheiten zu den aktuellen verkehrspolitischen Gegenwarts- und Zukunftsaufgaben so Stellung zu nehmen, daß dabei – soweit heute überschaubar – die Rolle des Straßenbaues als Teil des Verkehrswegeprogramms im Kontext mit den verkehrspolitischen Leitlinien und Schwerpunkten deutlich wird und damit für Ihre Überlegungen dienlich sein kann.
In früheren Veranstaltungen dieser Art konnten Verkehrs- und Straßenbaupolitik sowohl im Rückblick als auch in der Vorschau fast ausschließlich positive Leistungsbilanzen nachweisen und wachsende Leistungsnachfragen in Aussicht stellen. Heute bedarf es leider der nüchternen Feststellung, daß der Eintritt in die 80er Jahre mit Hypotheken belastet ist!
Stagnierende Wachstumsraten, Wandel in der Wirtschafts- und Gesellschaftsstruktur, Energieprobleme in Verbindung mit steigenden Ölpreisen und zunehmende Umweltbelastungen haben Auswirkungen, die zu einer Neuorientierung und Anpassung an die veränderte Situation zwingen. Hinzu kommt die kritische Einstellung der Bürger zum technischen Fortschritt mit seinen Folgen auf den menschlichen Lebensbereich insgesamt. Somit sind Verkehrspolitik und Straßenbau einem Interessenkonflikt ausgeliefert, der den Handlungsspielraum sehr weit einengt und die Realisierung auch der notwendigen Maßnahmen erschwert.
Wir müssen also nüchtern feststellen, ohne dabei in Pessimismus oder sogar Resignation zu verfallen, daß die Probleme größer geworden sind. Daraus erwächst die gemeinsame Aufgabe, uns den damit verbundenen Herausforderungen zu stellen und deutlich zu machen, daß trotz zunehmender Schwierigkeiten Chancen und Wege zu ihrer Bewältigung gesehen werden. |