| Einleitung |
Im Namen des Veranstalters, der Forschungsgesellschaft für das Straßenwesen, darf ich den Deutschen Straßenkongreß 1980 eröffnen. Unsere erste Pflicht hierbei ist es, allen denen zu danken, die unserer Einladung nach Berlin gefolgt sind.
In den zwei Jahren, die seit unserem letzten Kongreß vergangen sind, ist in der Bundesrepublik Deutschland eine Diskussion aufgekommen und abgelaufen, die den Wind, der uns damals schon entgegenstand, zum Sturm verstärkt hat. Ich meine insbesondere die öffentlichen Diskussionen um den Bedarfsplan für die Bundesfernstraßen als Teil der Fortschreibung des Bundesverkehrswegeplanes.
Der Sturm der Kritik entzündete sich an Einzelmaßnahmen, stellte aber auch Grundsätze in Frage. Von berechtigter, auch harter Kritik, emotional verstärkt aus anderen Interessen, auch persönlicher Art, ging dieser Sturm bis zur Diffamierung aller mit dem Straßenbau Beschäftigten. Lassen Sie es mich als Zeichen des Zusammenhaltens im Sturm verstehen, wenn wir heute wiederum eine Vielzahl von Gästen begrüßen dürfen.
Die an sich auf unser Land bezogene Situation ist auch im Ausland nicht verborgen geblieben. Wir freuen uns daher über eine Anzahl ausländischer Gäste, nicht nur aus dem deutschsprachigen Raum.
Wenn wir auch noch nicht mit allen Journalisten, die uns in dieser Zeit angegriffen haben, wieder im reinen sind, so ist doch mein Gruß an die Vertreter von Presse und Funk mehr als nur die Pflicht der Höflichkeit, denn berechtigte Kritik müssen und können wir ertragen.
Die Diskussion, die so vieles in Frage stellte, hat mindestens ebenso viele Fragen offengelassen, deren Beantwortung durch die äußeren Bedingungen für unseren Staat in der Welt nur noch schwieriger geworden ist. Im Interesse der Gesamtpolitik und der Verkehrspolitik unseres Landes wäre es daher gut gewesen, wenn der Kongreß zu einer Diskussion mit dem für die Verkehrspolitik zuständigen Bundesminister geführt hätte. Leider haben wir unseren Kongreß in eine bundespolitisch unglückliche Zeit verlegt, so daß wir keine Chance haben, wie sonst üblich, den Herrn Bundesminister Verkehr begrüßen zu können. Wir freuen uns aber über die Anwesenheit von Herrn Dr. Thul, der als Abteilungsleiter im Bundesverkehrsministerium den bundespolitischen Überlegungen nahesteht.
Nehmen wir es als ein gutes Zeichen, daß wir uns in dieser kritischen Zeit an einem der Ausgangsorte der Forschungsgesellschaft getroffen haben. In der Aufbauphase war Berlin unser Stammsitz. Auch später haben wir uns zum Austausch fachlicher Meinungen und Erkenntnisse hier getroffen.
Ich freue mich, in Ihrem Namen Herrn Senatsdirektor Lekutat, der uns als Fachmann des Straßen- und Verkehrswesens, aber auch als Mitglied verbunden ist, begrüßen zu dürfen.
Die Mitglieder und Mitarbeiter der Forschungsgesellschaft sind von der Erörterung ihrer Aufgaben in der Öffentlichkeit, entsprechend ihrer speziellen Tätigkeit unterschiedlich berührt worden. Zum einen wegen ihrer Beteiligung an der Formulierung der Planungsgrundlagen, denen endlich die politische Rahmenvorgabe gegeben oder in Umkehrung früherer Forderungen plötzlich entzogen wurde, zum anderen, weil neben die Anwendung wissenschaftlicher Erkenntnisse auch parteipolitische Überlegungen gesetzt worden sind. Im Bereich der Ausführungen von Bauten haben die Erörterungen gezeigt, wie schnell sich Dispositionsgrundlagen verändern können.
Allen drei Bereichen, der Wissenschaft, der Verwaltung und der Industrie müßte deutlich geworden sein, daß die ständige Prüfung ihrer Ausgangslage existenznotwendig ist. Zu einer solchen Überprüfung begrüße ich Sie, die Mitglieder der FG, zum Straßenkongreß 1980.
Was liegt näher, als am Anfang einer solchen Überprüfung das Verhältnis unserer Aufgaben zum gesellschaftlich so wichtigen Gesichtspunkt des Umweltschutzes aufzugreifen und damit eine Thematik, die bereits seit den 60er Jahren in vielen Arbeitsausschüssen und Arbeitskreisen bearbeitet wird, zum Kongreßthema zu erheben. Folgen Sie dieser Anregung und unterstützen Sie alle Bemühungen. Denn wenn es auch vielen anders erscheinen mag, die Aufgabe der Forschungsgesellschaft, die Politik unseres Staates, die Entscheidungsträger und die Bürger in den weiterhin wichtigen Fragen der Mobilität, der Gestaltung von Stadt und Land, Landschaft und den täglichen Lebensbedingungen zu beraten, ist nach dieser breiten Diskussion wichtiger geworden, wenn auch schwerer. |